Stell dir vor, du besuchst deine Eltern und erfährst in einem Nebensatz, dass dein Vater gestorben ist…der Hund übrigens auch.
Wie VEINS aus dieser mysteriösen Ausgangslage den Haken zum lupenreinen Bodyhorror schlägt, erfahrt ihr hier.
Die Handlung von VEINS
Als Isabelle mit ihrer Freundin Catherine zu ihren Eltern fährt, ist alles anders als erwartet. Statt ihrem Vater findet sie einen Arzt aus der Nachbarschaft im Haus, ihre Mutter scheint unerwarteterweise keine Probleme mit ihrer gleichgeschlechtlichen Beziehung zu haben und dass der Vater verstorben ist, erfährt sie nur auf Nachfrage.
Isabelle beschließt länger zu bleiben und ihre überfordert wirkende Mutter zu unterstützen, kommt dabei aber einem Geheimnis auf die Spur.
Wer ältere Menschen auf dem Land besucht kennt das: es ist dort grün, alles ist entschleunigt, manchmal haben sich aber auch eklige Eigenarten eingeschlichen.
VEINS ist das filmische Äquivalent zu einem Rentner-Besuch.

Das mag man bereits als Wertung verstehen, es ist aber mindestens ein Hinweis, denn wenn du schnelle Schnitte, Krawall, Explosionen und Beats willst, dann bleibst du besser daheim.
Grün ist hier die dominierende Farbe und man meint in den umliegenden Wiesen und Wäldern die Insekten summen zu hören. Die Hälfte der wenigen Figuren ist über 60 und das Städtchen, in dem die Story spielt, fast menschenleer. Hierher kommst du um dich auszuruhen…oder um zu sterben.
Ein ruhiger Film im Grünen
VEINS macht leider aus seiner mysteriösen Ausgangslage nicht sonderlich viel. Zwar wird erklärt, warum Isabelle das Ableben des Vaters nicht mitgeteilt wurde und da die Beziehung angespannt war, wirkt das auch ein Stück weit plausibel. Andererseits hat sie sich dennoch mitsamt der unbeliebten lesbischen und schwarzen Freundin für ein Wochenende eingeladen, was dementsprechend nicht wie ein komplett zerrütteter Kontakt klingt.
So wundert sich Isabelle zwar auch etwas, zeigt aber weder viel Ärger noch Trauer, wodurch die spannende Prämisse rasch untergeht.
Aber auch in Hinblick auf die weiteren Ereignisse, die natürlich damit in Verbindung stehen, legen Regisseur/Autor Raymond St-Jean und Co-Autor Martin Girard die Karten in einem Rückblick früh auf den Tisch, denn dass die Frau des Arztes von nebenan schwer krank ist, aber im heimischen Keller eine spezielle Pflanze züchtet, lenkt die Erwartungshaltung geübter Horrorfans natürlich in eine gewisse Richtung.

Ohne zu viel verraten zu wollen: vermutlich liegt man mit dieser Erwartung nicht ganz falsch, VEINS hat dann aber tatsächlich ein Ass im Ärmel, wodurch sich die Zusammenhänge anders darstellen, als man meinen könnte.
In jedem Fall lässt bereits der Trailer erahnen, dass der Doktor experimentierfreudig ist und nicht nur die normale Natur und Pflanzenwelt stattfindet, sondern diese auch einen Einfluss auf den menschlichen Körper haben.
Körperliche Veränderungen und ein Arzt mit Geheimnissen
SPOILER
Wer es genauer wissen möchte: der eigenartige Arzt von nebenan ist kein zweiter Frankenstein oder Herbert West, sondern tatsächlich jemand, der seinen Patienten helfen will und das auch tut. Denn während uns die körperlichen Veränderungen samt Haarausfall, eigenartigem Ausschlag und grünlichem Schleim typische Bodyhorror-Vibes geben, entwickelt sich VEINS nicht zu einem weiteren Streifen bei dem die Toten die Lebenden angreifen, sondern bietet eine neue Form des „ewigen Lebens“.
Was das im Detail ist, verraten wir an dieser Stelle nicht, aber bei allen Horror-Einschüben ist das Ende unerwartet hoffnungsvoll und positiv.
Spoilerende
Fazit zu VEINS
VEINS ist ein ruhiger und kleiner Film, der wie viele kanadische Filme etwas kühl und einfach wirkt und auf Bombast verzichtet. Kanada steht aber nun mal auch für Bodyhorror und hier lassen sich ansehnliche körperliche Passagen und unkonventionelles Storytelling entdecken. Erzählerisch hätte sich hier zwar noch mehr gewinnen lassen, die ungewöhnliche Auslösung spricht dann aber für den Film.
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Inhaltsverzeichnis
FAQ
Was für ein Film ist VEINS?
VEINS ist ein kanadischer Body-Horror-Film, der auf Tempo und Krawall verzichtet und stattdessen auf eine langsame, atmosphärische Stimmung setzt. Im Mittelpunkt steht eine Frau, die ihre Mutter nach dem Tod des Vaters besucht und einem medizinischen Geheimnis auf die Spur kommt.
Ist VEINS ein typischer Horrorfilm?
Nein – VEINS folgt der kanadischen Body-Horror-Tradition, ist aber ungewöhnlich ruhig und endet überraschend hoffnungsvoll. Wer schnellen Mainstream-Horror erwartet, wird enttäuscht. Wer atmosphärischen, unkonventionellen Body-Horror mag, liegt richtig.
Von wem stammt VEINS?
Regie und Drehbuch stammen von Raymond St-Jean, das Drehbuch schrieb er gemeinsam mit Martin Girard.








