In Australien ist vieles anders und auch wenn WE BURY THE DEAD als Zombiefilm bezeichnet werden muss, folgt er doch keinem gängigen Genremuster.
Das wiederum wundert dann weniger, wenn man weiß, dass hinter dem Film Zak Hilditch steht, dessen starker Endzeitfilm THESE FINAL HOURS auch mit Konventionen brach.
Der Inhalt von WE BURY THE DEAD
Als ein militärisches Experiment der USA misslingt, sterben auf einen Schlag alle Menschen eines Landstrichs von Tasmanien.
Avas Mann Mitch hielt sich zu dem Zeitpunkt dort auf und sie will ihn finden. Da das Gebiet weiträumig abgesperrt ist, ist für sie der einzige Weg dorthin, sich als freiwillige Helferin bei der Bergung der Leichen einzubringen.
Schon bei Ankunft wird ihr mitgeteilt, dass einige der Toten ins Leben zurückkehren, allerdings keine Bedrohung darstellen…aber ist das so?

Wir verraten wohl nicht zu viel, wenn wir die Frage verneinen, denn je näher Ava sich in das Gebiet vorwagt, desto mehr verändern sich auch die wandelnden Leichen. Aber obwohl WE BURY THE DEAD durch die anfängliche Katastrophe einen enorm hohen Bodycount ausweist, ist die Zahl derer, die während der eigentlichen Handlung sterben, gering.
Stattdessen verbindet Autor und Regisseur Hilditch Elemente des Zombiefilms mit Road-Trip und (Beziehungs-)Drama. Sein wir ehrlich, das wird nicht jeder mögen. Die einen werden sich an den Toten und nicht mehr Toten stören, die anderen an allem anderen. Da es Genre-Mischungen traditionell schwer haben, ist WE BURY THE DEAD ein potentieller Kandidat für unsere Liste der unterbewerteten Filme.
Allerdings erleben wir einen ernsthaften Film, der uns anfangs nicht nur den Alltag der „Bestatter“ verfolgen lässt, wobei sich in unangenehme Anblicke von Tage zuvor Verstorbenen auch skurrile Momente mischen (wie eine Stripperin, die förmlich „an der Stange“ starb).
Mit der Zeit baut der Film eine melancholische Stimmung auf und ähnlich wie in THESE FINAL HOURS ist von Beginn an abzusehen, dass es zwischen Ava und ihrem Mann kein Happy End, sondern allenfalls einen runden Abschluss geben wird. In diese schwermütige Atmosphäre sind immer wieder bedrohliche Fäden verwoben, denn selbst die harmlosen Wiederauferstandenen wirken stets unheimlich und sind durch gelungenes Makeup und ein brachiales Zähneknirschen eindrucksvoll dargestellt.
Daisy Ridley und Brenton Thwaites – das Ensemble von WE BURY THE DEAD

Da es WE BURY THE DEAD aber insgesamt ruhig angehen lässt, bleibt Raum, um mehr über Avas Motive und die Figuren zu erfahren.
Etwas zu viel Raum nimmt dabei ein Mann ein, der ihr zunächst hilft, aber sich dann als fragwürdiger Charakter entpuppt. Hieraus entsteht allerdings ein weiterer Handlungsstrang, der einerseits wichtig ist, andererseits auch nicht ohne Fragen endet.
Generell überlässt Hilditch dem Zuschauer an mehreren Stellen die Interpretation. Das fängt damit an, warum nur manche Tote noch einmal aufwachen oder weswegen einige von ihnen regelrecht kooperativ und mit Restverstand agieren, während andere entgegen der ersten Annahme doch feindselig erscheinen.
Auch das Ende des Films lässt sich in verschiedenen Richtungen deuten.
Daisy Ridley (DAS ERWACHEN DER JÄGERIN) spielt Ava und tut dies auf eine glaubwürdige Weise. Sie wirkt abgeklärt, ist dabei aber weder abgebrühte Heldin, an der die Schrecken die ihr auf der Reise begegnen einfach abperlen, noch dauerschockiertes Teenie-Girl, sondern und schlicht bereit zu tun, was getan werden muss. Auch Brenton Thwaites, der Clay spielt, der sie eine Weile begleitet, ist kein Unbekannter, sondern z.B. aus OCULUS bekannt.

Analyse und Interpretation zu WE BURY THE DEAD
Achtung Spoiler
Die Darstellung Avas hat mit jenen Toten, die noch keine Ruhe finden, gemein, dass auch sie als Lebende keine Ruhe findet. Die Theorie, dass die Zombies noch etwas zu erledigen hätten, wird im Film auch ausgesprochen.
Ava will Mitch noch einmal sehen, obwohl ihr klar sein muss, dass sie ihm nicht mehr lebend begegnen wird und der gemeinsame Weg vielleicht schon früher endete. Die Gründe hierfür klärt der Film gegen Ende ein Stück weit auf: der Kinderwunsch blieb den beiden verwehrt und obwohl an verschiedenen Stellen deutlich wird, dass Ava Mitch lieb, berichtet sie, ihn in der Vergangenheit betrogen zu haben. Aber auch er war – wie sich herausstellt – im Moment des Todes in weiblicher Begleitung, was ein mögliches Schuldgefühl Avas relativiert und zu einem Abschied und Loslassen führen kann.
Die räumliche Reise dorthin durch oft karge, bis auf wenige Ausnahmen menschenleeren Gebiete, aber auch brennende Städte kann als Weg zur Erlösung/Befreiung durchs Fegefeuer verstanden werden.
Hier fügt sich dann auch das gefundene Baby am Ende ein, das sich freilich wieder auf verschiedene Weise lesen lässt. Einerseits ist das von einer Toten geborene Kind selbstverständlich Symbol für neues Leben, es führt Ava aber auch im Rahmen der Story zu dem Kind, das sie sich gewünscht hatte und sorgt somit ebenfalls für ein Abrunden der Reise bzw. einen Neuanfang für sie selbst.
Fazit zu WE BURY THE DEAD
Dass die Zombies in diesem Fall keine gehirnfressenden Wilden sind dürfte bei vielen Menschen ebenso zur Ablehnung des Films führen, wie die zwangsläufig zu interpretierenden Szenen, die sich nicht selbst erklären.
Somit ist WE BURY THE DEAD Fans von Arthouse und Elevated Horror deutlich mehr zu empfehlen wie jenen Menschen, die sich mit einem einfachen Blutbad zufrieden geben.
Hier kannst du WE BURY THE DEAD streamen
Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von YouTube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Inhaltsverzeichnis
FAQ
Ist WE BURY THE DEAD ein klassischer Zombiefilm?
Nein. WE BURY THE DEAD bricht bewusst mit Genrekonventionen – die Zombies sind keine gehirnfressenden Wilden, sondern unheimliche, teils kooperative Wiederauferstandene. Der Film verbindet Zombiehorror mit Road-Trip und Beziehungsdrama und ist eher im Elevated Horror anzusiedeln.
Wer steckt hinter WE BURY THE DEAD?
Regie und Drehbuch stammen von Zak Hilditch, der bereits mit THESE FINAL HOURS (2013) bewies, dass er apokalyptische Stoffe abseits der Genreformel erzählen kann. Hauptdarstellerin ist Daisy Ridley, bekannt aus DAS ERWACHEN DER JÄGERIN.
Für wen ist WE BURY THE DEAD geeignet?
Der Film richtet sich klar an Fans von Arthouse- und Elevated-Horror. Wer ein klassisches Zombieblutbad erwartet, wird enttäuscht. Wer sich auf einen langsamen, melancholischen Film mit Interpretationsspielraum einlassen kann, wird belohnt.







