Nachdem Rhys Frake-Waterfield mit WINNIE THE POOH: BLOOD & HONEY einen nicht unumstrittenen Erfolg feierte und daraufhin nicht nur auch die Fortsetzung als Regisseur betreute, sondern Filme wie BAMBI: DIE ABRECHNUNG produzierte, folgt im sogenannten Twisted Childhood Universe PINOCCHIO: UNSTRUNG.
Ihr kennt sicher auch die Filme, auf die ihr total Lust habt, obwohl ihr mit dem schlimmsten rechnet.
PINOCCHIO: UNSTRUNG ist so einer, überrascht aber angenehm.
Die Handlung von PINOCCHIO: UNSTRUNG
Der junge James hat seine Eltern und seine Freunde verloren. Zwar nimmt ihn sein Onkel Geppetto bei sich auf, doch ihm fehlt ein echter Freund. Eines Tages präsentiert ihm der Onkel eine lebende Holzfigur namens Pinocchio und die beiden werden unzertrennlich.
Pinocchio ist freundlich und neugierig und er würde gerne ein echter Junge werden, doch seine hölzerne Mutter, die ebenfalls in Geppettos Keller lebt, erklärt ihm, dass er dafür die Organe von Menschen braucht.
Als James in einem Autounfall schwer verletzt wird, beschließt Pinocchio, alle, die er dafür verantwortlich macht, zur Rechenschaft zu ziehen und ihre Körperteile zu sammeln.

PINOCCHIO: UNSTRUNG ist Teil des Twisted Childhood Universe
Beginnen wir mit dem Negativen:
PINOCCHIO: UNSTRUNG ist ein B-Horrorfilm, der zwar nicht allzu komplex ist, aber trotzdem verwirrend wirken kann. Beispielsweise ist umständlich erzählt, dass die Geschichte James zunächst sämtliche (menschlichen) Freunde nimmt, ihm dann aber wieder zwei neue zur Seite stellt.
Dass Pinocchio James‘ Zahnärztin im Visier hat, ist wiederum aus Gore-Sicht nachvollziehbar, wirkt aber ebenfalls in eine Geschichte gepresst, die das leicht anders hätte lösen können.
Auch die Beleuchtung lässt erkennen, dass wir es mit einem Streifen zu tun haben, der nicht mit opulentem Budget ausgestattet war.

Geppetto wird von Richard Brake gespielt, der sich in den letzten 15 Jahren recht heimlich zum Go-to-Bösewicht gemeistert hat. Ohne ihm zu nahe treten zu wollen, Brakes Äußeres passt dazu und sein begrenztes Minenspiel lässt nicht viel anderes zu. Dass er diesmal als Geppetto einen freundlichen älteren Herren spielt, ist allerdings ein zweischneidiges Schwert (SPOILER), da er anfangs wirklich überraschend nett spielt und dabei mal mehr als sein übliches fieses Grinsen an den Tag legt. Am Ende ist er aber doch wieder nur der Fiesling. Immerhin, Brake lässt erkennen, dass er mehr kann. (SPOILERENDE)
Robert Englund spricht die Grille in PINOCCHIO: UNSTRUNG
Positiv zu erwähnen sind hingegen die Effekte und zwar alle Art von Effekten.
Wie Rhys Frake-Waterfield im Interview verrät, das Teil der Disc ist, war ihm die Bedeutung eines gelungenen Pinocchios wichtig, mit dem der Film steht und fällt. Lobenswerterweise hat man diesen als mechatronische Puppe in Treibholzoptik zum Leben erweckt, bei der man als Zuschauer nie genau weiß, ob man sie knuffig finden oder sich vor ihr fürchten soll.
Nicht handgemacht, sondern computergeneriert ist eine Grille, die Pinocchio-Kenner insbesondere aus der Disney-Verfilmung von 1940 kennen. Nur hatte damals die Grille nicht das Gesicht und die Stimme von Freddy Krueger-Darsteller Robert Englund. Der schlüpft hier (wenn auch nicht körperlich) noch mal in eine gemeine Rolle.
Auch wenn wir uns hier öfters negativ über schlechtes CGI auslassen, bedeutet das nicht, dass es nicht auch die positiven Beispiele gibt und gerade, wenn man das schmale Budget im Hinterkopf behält, sieht Cricket gut aus.
Und dann gibt es natürlich noch die dritte Art von Effenten, die sich mit den Kills beschäftigen und PINOCCHIO: UNSTRUNG liefert in dieser Hinsicht sowohl kreativ als auch technisch ab. Mal ist man überrascht, mal schleicht sich auch eine Spur Abscheu dazwischen.
Eine bunte Mischung ohne erkennbare Zwänge
Das Wechselbad der Gefühle liegt nicht zuletzt daran, dass PINOCCHIO: UNSTRUNG auch in seiner Erzählweise manchmal wie ein Märchen bzw. wie die Kindergeschichte wirkt, als die Carlo Collodis Figur 1881 angelegt wurde, dann aber zum visuell eindeutigen Horror wechselt.
PINOCCHIO: UNSTRUNG lässt obendrein immer wieder etwas Humor aufblitzen, aber auch kindliche Momente einfließen, die die Freundschaft vom einsamen Jungen und seiner ebenso verlassenen Marionette hervorheben.
Ein unmittelbarer Vergleich würde falsche Erwartungen wecken, aber drücken wir’s mal so aus:
Es ist davon auszugehen, dass sich Rhys Frake-Waterfield sowohl die TERRIFIER-Filme, als auch die Werke Guillermo del Toros angesehen hat (und das nicht nur, weil der 2022 seine eigene Pinocchio-Version veröffentlichte).
Mischung und Kontrast sind in PINOCCHIO: UNSTRUNG weit stimmiger als es noch in WINNIE THE POOH: BLOOD & HONEY der Fall war, der nur zu Beginn etwas erzählerische Eleganz auswies, dann aber zum plumpen Slasher mit einfachen Masken mutierte.
Fazit zu PINOCCHIO: UNSTRUNG
Irgendwer wird sich sicher immer noch beschweren, dass ihm solche Filme rückwirkend die Kindheit rauben, aber allen Fehlern zum Trotz gibt unbeschwerter Horror wie PINOCCHIO: UNSTRUNG auch ein Stück Kindheit zurück.
Der Film ist weit davon entfernt perfekt zu sein, ist aber weit gelungener als das zu erwarten war.
Randbemerkung: Wir bewerten hier den Film und nicht die Disc, trotzdem ist das vorliegende Gesamtprodukt ein Plädoyer für physische Medien. Während es leider auch auf Scheibe, deren Anreiz früher satte Extras waren, zum schlechten Trend wurde, nur das Nötigste (also den Hauptfilm) als Bonus draufzupacken, glänzt Plaion mit vielen informativen Zusatzmaterialien.
Das könnte dir gefallen
Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von YouTube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
FAQ
Gehört PINOCCHIO: UNSTRUNG zu einer Filmreihe?
Ja. Der Film ist Teil des sogenannten Twisted Childhood Universe – jenem Franchise, das mit WINNIE THE POOH: BLOOD AND HONEY bekannte Kinderfiguren in blutige Horror-Versionen verwandelt. Regisseur Rhys Frake-Waterfield, der bereits die POOH-Filme verantwortete, treibt das Prinzip hier mit Carlo Collodis Holzpuppe weiter. Weitere Crossover innerhalb des Universums sind angelegt.
Wie brutal ist PINOCCHIO: UNSTRUNG?
Der Film ist ein handfester Splatter: Pinocchio zieht mordend los, um Verantwortliche zur Rechenschaft zu ziehen und menschliche Körperteile zu sammeln. Trotz sichtbar schmalen Budgets sind die Kills teils kreativ und die praktischen Effekte gelungen. Wer klassischen Gore mit schwarzem Humor mag, wird bedient; für zarte Gemüter oder Fans des Disney-Pinocchio ist der Film nichts.
Wen spricht Robert Englund in PINOCCHIO: UNSTRUNG?
Horror-Ikone Robert Englund, unvergessen als Freddy Krueger, leiht der Grille seine Stimme – jener Figur, die Pinocchio-Kennern vor allem aus der Disney-Verfilmung von 1940 vertraut ist. Anders als das niedliche Original ist die Grille hier computergeneriert und deutlich düsterer angelegt. Englunds Beteiligung ist einer der Blickfänge des Films.










Die Grille sieht sogar ein wenig aus wie Freddy. Ich denke mal, dass das kein Zufall ist. Ich bin ehrlich mal gespannt auf den Film. Der erste dieser Filme, der mich stark enttäuscht hat, war Steamboat Willie. Da fand ich sogar den ersten Blood and Honey unterhaltsamer.