Review: EVIL DEAD RISE (2023)

evil dead rise lee cronin
BEWERTUNGEN:
Redaktion: 7.5

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5.9/10 (58)

Darsteller: Alyssa Sutherland, Lily Sullivan, Gabrielle Echols
Regie: Lee Cronin
Drehbuch: Lee Cronin
Länge: 97 min
Land: , ,
Genre:
Veröffentlichung: 27. April 2023 (Kino)
Verleih/ Vertrieb: Warner
FSK: ab 18

EVIL DEAD RISE gehört zu den Horrorfilmen 2023, denen verständlicherweise viele Leute entgegenfiebern. Die Erwartungshaltung darf hoch sein, denn immerhin hat das EVIL DEAD – Franchise nie einen schlechten Streifen hervorgewürgt und funktioniert mit oder ohne Ash und mit oder ohne Humor.

Dass die Strippenzieher auch mehr als 40 Jahre nach TANZ DER TEUFEL noch die gleichen sind, zeugt ebenfalls von Konstanz und Linie. Doch die eine Frage bleibt: Wird Lee Cronin die Tradition von Sam Raimi, Bruce Campbell (beide hier Produzent) und Fede Alvarez, der für das Blutbad 2013 verantwortlich war, in Würde fortsetzen?

Worum geht es in EVIL DEAD RISE?
Um Gitarrentechnikerin Beth, die auf einem versifften Klo von ihrer Schwangerschaft erfährt und Hilfe bei Schwester Ellie sucht, die mit ihren drei Kindern in einem Hochhaus in Los Angeles wohnt.
Als die Kids Pizza holen geschickt werden, damit sich die beiden Frauen über erwachsene Probleme aussprechen können, erschüttert ein Erdbeben das alte Gebäude und Sohn Danny findet in der Tiefgarage einen Riss, der zu einem darunterliegenden Raum führt, der halb Banktresor, halb Kirche zu sein scheint. Von dort nimmt er ein Buch mit in die Wohnung und entfacht das unfassbar Böse….

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Anmerkung: Wir haben den folgenden Teil des Reviews bewusst allgemein gehalten, um euch wirklich nur einige Basis-Infos mitzugeben. Hier sollte sich also niemand gespoilert fühlen. Weiter unten und hinter einer entsprechenden Warnung gehen wir dann konkreter auf ein paar Elemente ein.

Kein EVIL DEAD ohne Necronomicon

Wir alle wissen welches Buch das ist und wir ahnen, dass das kein gutes Ende nehmen wird. Doch das ist nicht tragisch, denn die Frage ist eben nicht ob, sondern wie es passiert und dass man dafür mit der neuen Location ganz weit weg ging bzw. die bewährte Hütte im Wald nur im Prolog zur Sache machte, ist ein vernünftiger Schritt, der neue Möglichkeiten offeriert.

Gleichzeitig bewahrt sich EVIL DEAD RISE aber einen intimen Rahmen und das nicht nur, weil die Familie noch mehr im Vordergrund steht, als es die 2013 die Bindung zwischen Mia und David ausdrückte, sondern auch weil man nicht wie in DÄMONEN 2 das ganze Hochhaus (hier findet ihr mehr Horror im Hochhaus) und unzählige Bewohner in die Story hineinzog, sondern nur eine Etage betrachtet.

Das Gebäude ist in die Jahre gekommen, marode und soll demnächst abgerissen werden. Somit befinden wir uns -lobenswerterweise- nicht in einem modernen Architektentempel aus Glas, sondern einem gemütlichen Altbau mit ein paar technischen Mängeln. Quasi das Äquivalent der Waldhütte, aber mitten in L.A.

Statt eines vergewaltigenden Baumes gibt es in EVIL DEAD RISE dementsprechend eine Szene mit einem Hochhaus-typischen Gerät (mehr dazu im Spoiler-Teil, weiter unten).

Evil_Dead_Rise kritik

Die Figuren werden nach besagtem Prolog erst mal in Ruhe vorgestellt, wobei hier niemand Tiefe entwickelt. Mutter Ellie scheint Tätowiererin zu sein, Danny hört gerne laut Musik, nebenan wohnt ein grimmiger alter Mann…das ist das Level der Charakterzeichnung, was aber für diese Art Film und für EVIL DEAD – Filme im Speziellen ausreicht.

Was EVIL DEAD RISE im Subplot hervorhebt, ist die Betrachtung des Themas Familie und Kinder. Wo 2013 Mias Überlebenskampf gegen die Deadites als Kampf gegen innere Dämonen in Form ihrer Drogensucht aufgefasst werden konnte, sind 2023 Schwangerschaft, Beziehung und Kinder immer wieder kleine Aufhänger, die allerdings weniger in die eigentliche Handlung integriert wirken.
Übrigens bereits in seinem Erstling THE HOLE IN THE GROUND verarbeitete Cronin familienrelevante Themen.

Was aber hier natürlich bleibt, ist das Necronomicon, welches hier mit langen Zähnen überzeichnet dargestellt ist, ein paar unheimlich-magische Worte und Deadites, die sich selbst und allen anderen maximale Gewalt zufügen.

6.000 Liter Kunstblut sprechen eine klare Sprache

Die Gewalt ist da, keine Frage, und es wurden Unmengen Kunstblut verwendet. Und trotzdem fehlen die Momente, die dem Zuschauer Schmerzen bereiten. Fede Alvarez verstand es mit EVIL DEAD weh zu tun (auch dem Betrachter). Wenn sich Mia mit kochend heißem Wasser duschte, war der Schmerz für den Beobachter spürbar, weil sich jeder mal verbrüht hat. Wenn sich eine Nadel dicht unter ein Auge bohrte und herausgezogen werden musste, war das greifbar, weil uns allen unser Augenlicht teuer ist. Wenn eine Machete Mias Oberschenkel streifte, konnte man das Brennen spüren.

Anders ausgedrückt, das harmlose Schneiden an Papier kann gut dargestellt schmerzhafter sein, als ein Schuss aus der Pumpgun und vom nachvollziehbaren Schmerz hätte Lee Cronin gerne mehr reinpacken dürfen.

Das ist bei all den gezeigten Gewalttaten sicher Jammern auf hohem Niveau, allerdings gewinnt man den Eindruck, dass Cronin des Öfteren einen Tick neben der Spur liegt.

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Achtung, ab hier treten Spoiler auf:
Nimmt man beispielsweise die Gemüsereibe, die im Rahmen der Fantasy Filmfest Nights sogar als Gimmick verteilt wurde, hätte sich genau dieses Haushaltstool geeignet, mehr nachvollziehbare Gewalt zu zeigen, denn fast jeder hat sich mal beim Karottenreiben den Finger weggehobelt.
Im Film bleibt die entsprechende Szene aber vergleichsweise unauffällig und kurz.
Auch das Makeup hätte (wie an verschiedenen Stellen) besser sein dürfen.

Der Grundton von EVIL DEAD RISE ist ernst, aber wo EVIL DEAD so gar nicht funny war, mischt sich im aktuellen Film eine Slapstickszene (bei der ein ausgespucktes Auge in den Mund eines anderen Opfers fliegt) ein, die einfach nicht passen will.

Dass die „bösen Toten“ über ein paar spezielle Eigenschaften verfügen, dürfte sich herumgesprochen haben, dass sie hier aber teilweise die Wände hochkrabbeln oder gar durch den Raum schweben, erinnert eher an den nächsten Exorzisten-Film, als TANZ DER TEUFEL und Co.
Das alleine ist nicht mal wertend gemeint, gibt dem Bekannten aber ein neues Feeling und es wundert, dass auf der anderen Seite eine stinknormale Wohnungstür ein größeres Hindernis darstellt.

Die garstige Flurszene, die man nur durch den Türspion verfolgen kann, ist allerdings stark und gleichzeitig ist EVIL DEAD RISE bzw. die gesamte Reihe kein Grund die Gesetze der Physik zu hinterfragen. Das wird spätestens Richtung Finale deutlich, wenn einmal mehr die letzten Grenzen des Realen gesprengt werden, man erfährt wohin Tausende Liter Kunstblut flossen (SHINING lässt grüßen) und ein besonders fleischiges Familienprodukt entsteht, das in jedem Sinne larger than life ist.

Unter diesem Aspekt muss man dann auch den ominösen Raum im Keller ablegen. Oder dass offenbar jeder im Haus nach einem heftigen Erdbeben schnell zur Tagesordnung übergeht und erst später merkt, dass die Treppe nach unten eingestürzt ist.

Der Aufzug als Metapher

Apropos Treppe: die ist weniger wichtig als der Aufzug, wo Ellie als erste von der dämonischen Präsenz angegriffen und (auch wenn das weniger eindeutig als im Vorgänger gezeigt wird) vom Bösen geschwängert wird. Im Kontext des Themas Schwangerschaft und Familie „gebärt“ der gleiche Fahrstuhl in einer späteren Szene seine Insassen mit einer riesigen Blutlache.

Mit dieser dicken Blutschicht kann man sicherlich verschiedene unstimmige Details kaschieren, aber womöglich fällt dem ein oder anderen Zuschauer dennoch auf, dass der Film auch in seiner eigenen Welt nicht immer stringent ist, zuweilen mehr auf den „coolen“ Moment als maximalen Schrecken aus ist und dadurch weniger dreckig und finster wirkt.

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Auch fällt auf, dass sich auch EVIL DEAD RISE Kettensäge und Flinte verpflichtet fühlt und es bleibt zu befürchten, dass wir exakt diese Waffen auch in den nächsten 25 EVIL DEAD – Streifen sehen werden, so wie Bruce Willis in jedem STIRB LANGSAM „Yippiyayeah Schweinebacke“ und Schwarzenegger in jedem TERMINATOR-Film einmal „I’ll be back“ aufsagen muss.

Nun kann man EVIL DEAD RISE mit seinen guten bis grandiosen Vorgängern vergleichen und feststellen, dass es nicht der beste Film des Franchise ist oder ihn für sich genommen betrachten und feststellen, dass er zwar ein paar Macken hat, aber sich nicht blamiert.

Die Figuren sind weder unsympathisch, noch treffen sie absurde Entscheidungen. Das Makeup ist nicht perfekt, aber in Ordnung. Der Einsatz von CGI hält sich erneut in einem überschaubaren Rahmen.
Dass man über 200.000$ alleine für die knapp 6.000 Liter Kunstblut ausgab, statt diese am PC zu entwerfen steht für Traditionsbewusstsein.

EVIL DEAD RISE pfeift auf Diversität

Und da ist noch etwas anderes, worüber man im Jahr 2023 meinetwegen geteilter Meinung sein kann, was aber Fakt ist:
EVIL DEAD RISE wurde von privilegierten, alten, weißen Männern produziert.
Sam Raimi, Rob Tappert und Bruce Campbell haben ihre Schäfchen im Trockenen, sind jenseits der 60 und hatten offenbar keine Lust auf einen woken Film, der heute in den Zeitgeist passt, aber in fünf Jahren seltsam wirkt, weil der auf maximal divers getrimmte Cast unlogisch erscheint.

Natürlich hätte ein asiatischer Nachbar niemandem weh getan, aber er hätte den Film auch nicht besser gemacht. Ebenso hätten Ellie und Familie schwarz sein können, aber das sind sie nicht. Jeder im Cast ist so weiß wie 1981.
Ob das schon „mutiges“ Filmemachen ist oder ein Shitstorm ansteht? Entscheidet selbst.
In jedem Fall wirkt die Zusammensetzung dadurch organisch und ungekünstelt.

Fazit:
EVIL DEAD RISE ist die zu erwartende Gewaltorgie geworden, aber er fühlt sich auch an, als ob Lee Cronin einerseits darauf geimpft war ein gewisses Korsett zu wahren, andererseits nicht ganz sicher war, ob er lieber TANZ DER TEUFEL, TANZ DER TEUFEL 2 oder EVIL DEAD nahekommen möchte.
Dies ist ein anständiger Splatterfilm, den man auch gut mehrfach sehen kann, aber kein Meisterwerk.

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