Mit NIGHT ALWAYS COMES zog ein Thriller bei Netflix ein, der mit geübter Besetzung daher kommt. Darüber hinaus spielt ein wohl bekannter Horror-Regisseur eine kleine Rolle. Ob das alles ausreicht, um einen guten spanenden Thriller abzuliefern, haben wir uns angesehen.
Story:
Lynette kennt nur kurze Nächte, sie steht jeden Morgen vor Sonnenaufgang auf, um sich mit ihren Jobs rumzuschlagen. Ihr Leben ist reines Überleben, denn die junge Frau muss sich um ihre Mutter Doreen und ihren Bruder Kenny kümmern. Kenny ist zwar älter als Lynette, wurde aber mit dem Down-Syndrom geboren und ist somit auf die Hilfe seiner Schwester angewiesen.
Trotz der kleinen Jobs gibt es wenig Geld und Lynette verzichtet auf vieles, um Geld zu sparen, damit sie das baufällige Haus kaufen kann, das ihre Familie seit Jahrzehnten in einer üblen Gegend mietet. Durch Gentrifizierung, also einem Prozess, bei dem ein Stadtteil aufgewertet und dadurch einkommensschwächere Bewohner durch wohlhabendere verdrängt werden, ist die kleine Familie gezwungen, 25.000 Dollar an den Eigentümer des Hauses zu bezahlen, um das Haus kaufen zu können.
Lynettes Mutter besitzt dieses Geld, verjubelt es aber für ein neues Auto und versäumt alle Termine mit der Bank und den Anwälten, die eventuell mehr Zeit rausgeschlagen hätten. Nun ist die junge Frau auf sich gestellt und muss die gesamte Summe in einer Nacht auftreiben.
Geld und Macht:
NIGHT ALWAYS COMES zeigt wie schnell man in eine Spirale aus Schuld und Verzweiflung rutscht, wenn alle Last und Verantwortung in einer kaputten Person pulsiert. Lynette und ihre Mutter sind kein gutes Team, Doreen kümmert sich nur um sich selbst, lügt und macht es ihren Kindern schwer. Im Grunde hat man hier schon den ersten „Bösewicht“ gefunden, zumindest kann man erst einmal prima jegliche Schuld an der Situation der Mutter aufbürden.
Dass das so gut funktioniert, liegt vor allem an Jennifer Jason Leigh (DOLORES), die die Rolle der Doreen ausfüllt. Ihr Spiel als Mutter ist erschreckend unangenehm. Auch Lynettes Rolle, gespielt von Vanessa Kirby (THE CROWN) passt weitestgehend gut. Nicht unerwähnt sollte die Leistung von Zack Gottsagen bleiben, der junge Mann zeigte schon in THE PEANUT BUTTER FALCON, dass ein Handicap kein Grund ist, aufzugeben. Die kleine Familie wirkt glaubhaft, unangenehm und verzweifelt.
25.000 $ in einer Nacht:
Nun ist also alles Geld ausgegeben und Lynette ist gezwungen alle Register zu ziehen, um an die Moneten zu kommen. Dabei zeigt uns NIGHT ALWAYS COMES wie verkorkst ihr Leben ist. Aus dem Bild der anfangs fürsorglichen Schwester wird nun mit schnellen Schritten ein Paradebeispiel für ein Frau, die nie eine Chance auf ein gutes Leben hatte. Freunde und alte Feinde werden besucht, bestohlen, belogen… alles nur für ein paar Scheine und somit die Aussicht auf das Haus und weiterführend, Kennys verbleib, denn ohne Heim würde er der Familie entrissen.
Sobald Lynette loslegt und ihr Geld versucht zu besorgen, schleichen sich auch die ersten Szenen ein, die wenig bis gar nicht nachvollziehbar sind. Dass gewisse Taten nicht ganz legal sind, sollte klar sein, wie sonst kommt man an diese Menge Geld, in einer Nacht. Allerdings mutiert NIGHT ALWAYS COMES zu einer Reihe an Szenen, in denen ein schweres Verbrechen das nächste jagt und jegliche Konsequenz absolut fern bleibt. Diese Darstellung macht aus einer Figur, die stark und aufopfernd wirken soll, einen Verbrecher ohne Reue.
Handwerklich kann man NIGHT ALWAYS COMES kaum etwas vorwerfen, das Set ist wahlweise dreckig und man riecht die Armut fast, während andere Szenen auf Hochglanz poliert sind.
Fazit zu NIGHT ALWAYS COMES:
Netflix hat hier keinen großen Wurf gemacht. Daran ändert auch die Gastrolle von Eli Roth nichts. Zu Beginn wundert man sich noch über die relativ lange Laufzeit, später rast diese dahin, so dass man am Ende mit vielen Fragezeichen zurück bleibt. Der Film wirkt, als hätte man ausnahmslos Spannung hinein drücken wollen… das Ende dagegen wirkt, als hätte der Regisseur noch einen Termin gehabt und musste noch fix vorher abdrehen. NIGHT ALWAYS COMES ist ein Zeitvertreib, wenn nichts anderes läuft aber auf keinen fall etwas, was man gesehen haben muss.













