Review: SCREAM 6 (2023)

scream 6 review
BEWERTUNGEN:
Redaktion: 7.0

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8.5/10 (8)

Darsteller: Courteney Cox, Melissa Barrera, Jenna Ortega
Regie: Matt Bettinelli-Olpin, Tyler Gillett
Drehbuch: James Vanderbilt, Guy Busick, Kevin Williamson
Länge: 122 min
Land:
Genre:
Veröffentlichung: 28. Mai 2023 (VOD); 13. Juli 2023 (DVD+BD)
Verleih/ Vertrieb: Paramount
FSK: ab 18

Nachdem SCREAM 5 bei den Fans der Horrorreihe enorm gut aufgenommen wurde und auch die Kinokasse zum Klingeln brachte, war schnell klar, dass Wes Cravens Erbe weiterhin fortgesetzt werden würde.

Aber neben der Tatsache, dass sechste Teile quasi nie gut sind, standen die Macher noch vor einer Reihe von (teils gewünschten) Veränderungen.
SCREAM ohne Sidney, SCREAM ohne Dewey, SCREAM in New York…kann das funktionieren?
Je mehr sich ändert, desto mehr bleibt alles beim Alten, sagt ein englisches Sprichwort und für SCREAM 6 gilt das eindeutig.

Worum geht es in SCREAM 6?
Ein Jahr nach der letzten Mordreihe in Woodsboro haben sich Sam und Tara, sowie Chad und Mindy Meeks-Martin nach New York City abgesetzt und verarbeiten ihre Traumata auf unterschiedliche Weise.
Doch auch in urbaner Umgebung werden sie bald wieder von einem Ghostface-Killer verfolgt.

scream 6 ghostface train

Auch SCREAM 6 beginnt mit einem Telefonat

Die Einleitung macht ein Telefonanruf, den man so ähnlich schon einmal miterlebt hat. Daher ist es wohl auch nicht weiter verwunderlich, dass mit Samara Weaving, die sich in den letzten Jahren selbst als Jung-Scream-Queen etabliert hat (z.B. READY OR NOT?, THE BABYSITTER, GUNS AKIMBO) ein relativ bekanntes Gesicht das Zeitliche segnet.
Dass wir gleich darauf das Gesicht des Mörders sehen, ist hingegen eine Überraschung…wie auch alles Weitere in dieser Sequenz.

Und diese Szene gibt dann auch einen passenden Eindruck auf das, was uns erwartet. Denn natürlich geht es in dem Telefonat um Horrorfilme und in diesem Fall geschieht der Mord in einer dreckigen Seitenstraße des Big Apple.
Schon in Teil 3 hat man Woodsboro verlassen und während der Film seine Schwächen hat, zählt der Tapetenwechsel nicht dazu, zumal sich aus der Location neue Möglichkeiten ergeben.

Gravierender scheinen da schon das Fehlen der Darsteller Neve Campbell und David Arquette, die die Slasher-Reihe 25 Jahre lang begleitet haben und nun aus verschiedenen Gründen nicht dabei sind.
Doch hier haben die Macher vorgesorgt und im fünften Film mit den Carpenter-Schwestern und ihren Freunden neue Hauptcharaktere eingefügt.

Dazu gibt es natürlich Gale Weathers aka Courtneney Cox, die einmal mehr als unbeliebte Figur in den Film startet, sich dann aber mit den Helden vereint. Obendrein hat man auch die aus Teil 4 bekannte Kirby (Hayden Panettiere) zurückgeholt.

scream 6 hayden rezension

Wie man das kennt und erwartet, steckt auch SCREAM 6 voller Verweise auf Horrorfilme im Allgemeinen, aber auch auf seine Vorgänger. Für Einsteiger und Nostalgiker wird sogar ein Franchise-Schrein eingebaut, an dem der aktuelle Killer seinen „Ahnen“ huldigt.

Was befremdlich anmutet: es gab seit Randy in den SCREAM-Streifen immer einen, der Referenzen zur fiktiven Horrorwelt ins Spiel brachte, in SCREAM 6 hat man aber fast den Eindruck, dass die Protagonisten sich selbst in einer Filmreihe, statt einer (für sie) realen Welt wähnen.
Ghostface scheint hingegen mittlerweile zu einer Schwarmintelligenz zu mutieren, obwohl natürlich in jedem Film andere, meist unabhängige Mörder aktiv sind. So hat man während eines Telefonats fast den Eindruck, dass der aktuelle Killer die Motive und Ideen seiner früheren Mörderkollegen teilt.

Während diese früheren Filme jeweils einen Aufhänger hatten, an dem neue Regeln festgemacht wurden oder einfach aufgrund der Entwicklungen in der Horrorwelt neue Elemente eingebaut wurden (Teil 1: Horrorfilme generell; Teil 2: Sequels; Teil 3: Trilogie usw.), versucht man sich in Teil 6 mit dem Thema Franchise, aber trotz ausufernder Dialoge ergibt sich daraus nichts Neues.
Kein Horrorfan wird mit der Glühbirne der Erkenntnis dasitzen begeistert nicken.

Apropos ausufernde Dialoge, seit Teil 1 gehört es dazu, dass man am Ende die mitunter wirren Entwicklungen und Ambitionen des Mörders minutenlang erklärt.
Mit anderen Worten, man weiß bis zum Ende nicht wer der messerschwingende Maskenmann oder Maskenfrau ist und es macht auch keinen Sinn, wird aber in epischer Breite erläutert., bis man es doch glaubt. Leider bildet Teil 6 keine Ausnahme.

Auch verwundert es, dass zwar alle mit den fünf vorherigen Mordserien vertraut ist, aber scheinbar niemand auf die Idee kommt, dass mehr als ein Killer durch New York streift.

scream-6 jenna und melissa

New York ist eine Reise wert

All diese Meta-Ebenen, Seitenhiebe und Referenzen sind zwar seit jeher Bestandteil von SCREAM, aber wo wären wir ohne saftige Kills? Und die gibt es. Zwar tue ich mir schwer damit SCREAM 6 als DEN brutalsten der Reihe hervorzuheben, aber wir erleben solide Gewalteinlagen.

Die sind wiederum verpackt in hübsche Szenen wie in einer U-Bahn, einer Leiter zwischen zwei Apartments oder einer Luxuswohnung mit Blick auf die Skyline (alles Momente, die sich in einer Kleinstadt eher schwer inszenieren lassen).

Dass Ghostface etwas tollpatschig ist und er während der Jagd auf seine Opfer immer wieder ein paar aufs Maul kriegt, kennt man natürlich und es ist auch diesmal so. Gravierend ist aber die Ineffizienz des New York – Mörders.
Achtung Spoiler: nicht weniger als 5 (!) Menschen werden abgestochen…und überleben (!!).

Fazit:
Wenn man bedenkt, dass dies Teil 6 ist, kann sich der Film wirklich sehen lassen. Das Tempo ist da, die Gewalt ist da, die Spannung ist da und das Regie- und Autorenteam behandelt das Thema weiterhin mit Respekt.
Natürlich sollte man bei einem Slasher kein 100% schlüssiges Drehbuch mit 100% plausiblen Beweggründen erwarten, aber das Spiel zwischen Neuerung und Bestand funktioniert.
Es kann aber nicht verleugnet werden, dass SCREAM 6 „nur“ wie ein guter Slasher wirkt und nicht wie ein Meta-Standardwerk, das noch in der Lage wäre uns das Horrorgenre zu erklären. Erste Abnutzungserscheinungen sind somit vorhanden.
Die Frage, die sich in die Zukunft gerichtet stellt, ist nicht WAS als nächstes kommt, sondern OB noch was kommt, was man nicht schon kennt.

PS: Wetten, dass wir Sidney noch mal sehen?
PPS: Mehr zum Franchise gibt es hier
PPPS: Hier gibt es SCREAM 6 zu sehen

 

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