Review: THE LONG WALK – TODESMARSCH (2025)

the long walk filmkritik
BEWERTUNGEN:
Redaktion: 7.5

Please rate this

8.5/10 (2)

Darsteller: Cooper Hoffman, David Jonsson, Garrett Wareing
Regie: Francis Lawrence
Drehbuch: JT Mollner
Länge: 104 min
Land: ,
Genre: ,
Veröffentlichung: 24. Dezember 2025 (DVD+BD)
Verleih/ Vertrieb: LEONINE
FSK: ab 16

Während fragwürdige Kurzgeschichten wie KINDER DES MAIS (KINDER DES ZORNS) und DER RASENMÄHERMANN lange ihre Verfilmung erhalten haben – und manchmal mehr als eine – blieb der oft gelobte Roman TODESMARSCH (THE LONG WALK) des Stephen King-Pseudonyms Richard Bachman seit den späten 70ern ohne Adaption.

An Versuchen ist es nicht gescheitert, denn sowohl George A. Romero als auch Frank Darabont hatten Ambitionen, aber erst 2025 wurde THE LONG WALK tatsächlich fürs Kino aufbereitet.

Wovon handelt THE LONG WALK?

In einem fiktiven Amerika findet jährlich ein Marsch statt, an dem 50 junge Männer teilnehmen. Einer pro Bundesstaat. Die Regeln sind einfach. Es wird gelaufen, bis nur noch einer übrig ist.
Wer die Mindestgeschwindigkeit von 3 Meilen pro Stunde unterschreitet, wird drei Mal verwarnt, dann erschossen. Pausen gibt es nicht. Der Sieger darf sich wünschen was er will.

the long walk review

Das klingt einerseits monoton, denn die Geschichte kümmert sich tatsächlich fast ausschließlich um diesen Extrem-Spaziergang, andererseits beeindruckend simpel und effektiv, denn jeder der Teilnehmer könnte der nächste sein, der stolpert, einen Krampf hat oder nach hunderten Meilen den Verstand verliert.

Im Wesentlichen bleibt Regisseur Francis Lawrence, der über einige der DIE TRIBUTE VON PANEM-Filme schon Erfahrung mit gefährlichen Wettbewerben sammeln durfte, nah an der Romanvorlage. Dass die Geschwindigkeit von 4 Meilen auf 3 Meilen pro Stunde (ca. 4,8 km/h) reduziert wurde, stört dabei ebenso wenig wie andere Freiheiten.

Als Gegenspieler gibt es zwar den „Major“, einen erbarmungslosen Spielleiter und Verfechter eines rigiden Regimes, aber wie in jedem Wettbewerb kämpfen die Teilnehmer natürlich vor allem gegen sich selbst und die anderen Läufer.

 

the long walk todermarsch

Letzterem kommt dabei besondere Beachtung zu, denn während von Anfang an klar ist, dass nur einer gewinnen (sprich: überleben) wird, entstehen doch Bündnisse und Freundschaften unter den jungen Männern, so dass sich Teile der Gruppe aus Gegnern immer wieder hilft, anfeuert und gegen das System wettert, in dem sie gemeinsam stecken.

Aber natürlich bieten 50 Charaktere, von denen uns einige näher gebracht werden als andere, auch genügend Potential für Boshaftigkeit.

THE LONG WALK hat damit einerseits all das, was eine King-Geschichte ausmacht, nämlich Helden und Bösewichte, Spannung und einen stattlichen Bodycount inklusive blutiger Kills und spielt sogar in Maine, ist aber kein Horrorfilm im engeren Sinne.

Seine Spannung zieht THE LONG WALK natürlich vor allem aus der Frage, wen es als nächsten erwischt und einige der Gründe, warum ein Teilnehmer „ausscheidet“ sind wahrlich fies.
In dieser Hinsicht geht der Film eine verschiedene „Vorschläge“ ein, die mit dem Buch mitgeliefert wurden, aber da ein Film nun mal ein anderes Medium ist, lässt sich die Ich-Perspektive aus der Teilnehmer Ray Garraty im Roman erzählt, nicht 1:1 umsetzen, wodurch die persönlichen Geschichten trotz einiger Berichte und sogar eines Flashbacks insgesamt oberflächlich bleiben.

Das wirkt sich dann leider auch auf den Zuschauer aus, der zwar voyeuristisch dem nächsten Kopfschuss entgegenfiebert, der aber zu wenig über die Läufer erfährt, um wirklich an ihrem Leid mitzuleiden.

the long walk hamill

Das gilt sowohl für seelisch-emotionale Einblicke, aber auch für physische. So sehen wir beispielsweise, (Mini-Spoiler) wie Ray nach hunderten Kilometern die Sohle vom Schuh fällt, wer aber nicht selbst Langstreckenläufer ist, wird womöglich nicht direkt einordnen, was es bedeutet die nächsten 100 Meilen barfuß zu gehen. Oder wie schwer ein kleiner Rucksack irgendwann werden kann. Oder wie unangenehm diese kleinen wunden Stellen sind, die man sich irgendwann reibt.

Dass ein Film extrovertierter ist als ein Buch, liegt in der Natur der Sache, THE LONG WALK versäumt es allerdings das zu tun, was ein Roman nicht kann: Stimmungen durch Bilder oder Musik zu kreieren und damit einen Ausgleich für den fehlenden Einblick in die Seelenwelt zu vermitteln.
Und mal ehrlich: einer Handlung, die zu 100% im Freien spielt, hätte man leicht durch ein paar gezielte Naturaufnahmen unterstützen können.

Stattdessen wirkt THE LONG WALK im Gesamten so, als wären viele der Gespräche zwischen den Jungs nur Smalltalk und Lückenfüller, während die tiefergehenden Dialoge, die Figuren näherbringen und sie zum Leben erwecken, nicht gezeigt wurden.
Um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen: das macht aus einem guten Film keinen schlechten Film, hier wurde aber eindeutig Potential verschenkt und der Story ein Stück Seele genommen.

Stephen King soll ausdrücklich darauf bestanden haben, dass die kalte Gewalt aus dem Buch in den Film übernommen wird. Das ist geglückt. Auch weil Mark Hamill (KRIEG DER STERNE) als Befehlshaber einen guten Bösen gibt.
Auch ansonsten soll er mit dem Drehbuch zufrieden gewesen sein und oberflächlich ist auch das nachvollziehbar. Tatsächlich gibt es daher auf den ersten Blick wenig zu kritisieren.
Außer vielleicht die Tatsache, dass THE LONG WALK – TODESMARSCH den Zuschauer zu einem jener Schaulustigen macht, die an der Strecke stehen und hoffen, dass sie einen Kopfschuss live miterleben, die aber nicht wissen, wer da gerade vor ihren Augen stirbt.

Fazit zu THE LONG WALK – TODESMARSCH

Es bleibt dabei, dass man ein Stephen King – Buch in guter Qualität umsetzen kann, aber nur wenige Regisseure King wirklich verstehen. THE LONG WALK ist für beides ein gutes Beispiel und ein solide und unterhaltsamer Film…voller anonymer Läufer.

YouTube

Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von YouTube.
Mehr erfahren

Video laden

 

 

Hier kannst du dir den Film ansehen
Und hier das Buch (das unbedingt zu empfehlen ist)

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert