Es ist warm draußen, sehr warm, irre heiß – die Art von Hitze, bei der die Luft flimmert, der Asphalt klebrig wird und der Schatten zum besten Freund.
Da man Feuer am besten mit Gegenfeuer bekämpft, haben wir 20 der besten Horrorfilme, Thriller und Endzeitstreifen zusammengesucht, die in sengender Sonne, trostlosen Steppen und staubigen Wüsten spielen.
Die Wüste ist im Kino seit jeher mehr als nur ein Schauplatz. Sie ist Bühne für menschliche Abgründe, Versteck für all jene, die sich der Zivilisation entzogen haben (oder von ihr ausgestoßen wurden) und sie ist die unbarmherzige Naturgewalt, die noch jeden Tag ohne Wasser oder Schatten zur Hölle macht. Sie ist die Heimat geisteskranker Eremiten, gigantischer Insekten und Monster, skrupelloser LKW-Fahrer, mutierter Sippen und sogar Vampiren.
Was diese Filme alle gemeinsam haben: Die Weite, die in anderen Genres für Freiheit steht, wird hier zum unausweichlichen Käfig. Es gibt kein Verstecken, keinen Nachbarn, der die Polizei rufen könnte, keine schnelle Flucht. Wer hier liegen bleibt, ist auf sich allein gestellt – und meist nicht lange allein.
Diese Filme zu sehen wird euer Schwitzen nicht mindern, den Sonnenbrand nicht verschwinden lassen, aber zumindest wisst ihr danach, dass alles noch schlimmer hätte kommen können, denn da draußen kann dich eine simple Autopanne dein Leben kosten – selbst ohne Perverse und Monster.
Die besten Wüsten-Horrorfilme
WOLF CREEK
Wieviel davon „based on a true story“ ist, darf mal wieder gemutmaßt werden. WOLF CREEK basiert nur lose auf den realen, voneinander unabhängigen Taten von Ivan Milat und Bradley John Murdoch, zumindest teilweise verspürt man aber das Bedürfnis, die nächste Rucksack-Wandertour durchs Outback abzusagen und Killer Mick Taylor ist ein wirklich unangenehmer Zeitgenosse. Im einen Moment ein Outback-Original, das im nächsten Moment unbarmherzig zur Sache geht. Die australische Steppe wirkt dabei so endlos und gleichgültig, dass jede Hoffnung auf Hilfe schon vor dem Abspann verloren geht.
DUELL
Steven Spielbergs Debüt. DUELL hat nicht den Glanz späterer Spielberg-Werke, aber eine Menge Straßenschmutz und Wüstenstaub und das ist gut so. Der Name ist hier Programm: DUELL ist der ungleiche Zweikampf eines Autofahrers und eines Trucks inmitten einer kargen Canyon-Landschaft. Wir sehen dabei nie das Gesicht des Fahrers, was den Schrecken nur verstärkt. Simpel und gut.
Wer wissen will, wo der moderne Highway-Thriller seinen Ursprung hat, kommt an diesem fürs TV produzierten Film von 1971 nicht vorbei.
TREMORS – IM LAND DER RAKETENWÜRMER
Der junge Kevin Bacon spielt hier einen faulen Wüstenkaffbewohner, der feststellt, dass unter dem heißen Sand seiner Heimat riesige Würmer wohnen, die auf Schallwellen reagieren und auch Menschenfleisch auf der Speisekarte stehen haben. TREMORS funktioniert auch deshalb, weil er den Creature-Horror mit ehrlichem Humor und liebenswerten Figuren verbindet. TREMORS stammt von 1990, trägt aber noch die Leichtigkeit der 80er mit sich herum.
Auf den Erstling folgten diverse Fortsetzungen (einige davon durchaus schaubar) mit ähnlichen Kreaturen.
TARANTULA
Ein echter Klassiker von 1955, in dem eine Spinne zu viele Wachstumshormone abbekommt und eine ohnehin schon karge Wüstenlandschaft noch karger macht, indem sie jegliches Leben einfach auffrisst.
Regie führte Jack Arnold (DER SCHRECKEN VOM AMAZONAS), ein Meister des 50er-Jahre-Monster-Films. Mit dabei ist ein junger Clint Eastwood als Jet-Pilot, der die Riesenspinne mit Napalm bombardiert.
SCENIC ROUTE
Kein Horrorfilm, aber eine mal lustige, mal tragische und immer spannende Autopanne zweier Freunde, deren Wagen im Nirgendwo liegenbleibt. Nicht nur die Karre und die Körper, sondern auch der Verstand der beiden wird unter sengender Sonne und eiskalten Nächten in Mitleidenschaft gezogen. SCENIC ROUTE ist trotz endloser Weite ein abgefahrenes Kammerspiel.
THE HILLS HAVE EYES
Ob das Original von Wes Craven oder das Remake von Alexandre Aja, es war klar, dass diese Filme in der Liste nicht fehlen dürfen.
Die amerikanische Durchschnittsfamilie, die in ihrem hübschen Wohnmobil in der Wüste liegen bleibt und von einer zunächst unsichtbaren, bald sehr greifbaren Gefahr attackiert wird, weckt nicht nur Erinnerungen an Planwagen im Indianerland, sondern enthält das Maß an Spannung und Grausamkeit, die ein guter Horrorfilm braucht.
THE DEAD
Dies ist nicht nur ein Zombiefilm, sondern ein Zombiefilm, der in Afrika spielt. Das bietet nicht nur Platz für ein paar sozialkritische Untertöne wie der Ausbreitung des HI-Virus, sondern auch viele Aufnahmen der Steppen- und Wüstenlandschaften, durch die sich unsere Helden schlagen müssen.
Schon alleine durch die ungewöhnliche Location sehenswert, auch wenn die Zombies hier langsamer sind als Wanderdünen.
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BLOOD RIVER
Wer kennt BLOOD RIVER? Vermutlich wenige und ich will nicht behaupten, dass der Film ohne Schwächen wäre. Die Geschichte des glücklichen Ehepaares, das einen Unbekannten auf einer staubigen Wüstenstraße aufliest, hat aber auch seine Stärken. Action und Effekte sind hier weniger gefragt und nur eine Handvoll Schauspieler tauchen auf. Vielmehr geht es um die Identität des Fremden und das, was das scheinbar harmonische Paar voreinander verbirgt.
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CARRIERS
Wenn die Welt untergeht, könnte das so aussehen wie in CARRIERS. Vier junge Leute fahren durch eine von einer Pandemie ausgelöschte amerikanische Wüstenlandschaft und müssen lernen, dass die Regeln des Überlebens auch die letzten Reste menschlicher Anständigkeit fressen. Die Wüste ist hier weniger Hauptdarsteller als der tödliche Virus, vermittelt aber einmal mehr das Gefühl von Weltende.
HITCHER, DER HIGHWAY-KILLER
Als Rutger Hauer HITCHER drehte, erwischte er einen glänzenden Tag – also ganz anders als all jene, die ihm im Film begegnen, wo er ein mahnendes Beispiel dafür gibt, dass man auf einsamen Landstraßen keine Fremden mitnehmen sollte.
C. Thomas Howell als sein junges Opfer wird durch die Hölle gejagt, und das ikonische Diner-Setting in der Wüste gehört zu den besten Bildern, die das 80er-Jahre-Horror-Kino hervorgebracht hat.
IT STAINS THE SANDS RED
Zombies mögen langsam sein, aber sie werden nicht müde, sie haben keinen Durst, sie machen keine Pause.
Und da es in einer menschenleeren Wüste nicht einmal Häuser und Türen gibt, die man vor untoten Verfolgern verschließen könnte, muss Stripperin Molly immer in Bewegung bleiben. Was klingt wie eine simple Verfolgungsjagd, entwickelt sich zu einer überraschenden Charakterstudie – mit einer der ungewöhnlichsten Mensch-Zombie-Beziehungen der Filmgeschichte.
FROM DUSK TILL DAWN
Auch wenn etwa die Hälfte von FROM DUSK TILL DAWN im schummrigen Titty Twister spielt, die texanisch-mexikanische Landschaft ist ein prägender Teil des Films. Oder wie der Ranger am Anfang sagt: „Es war ein gottverdammter, langer, heißer, erbärmlicher Tag, vom Anfang bis zum Ende.“
Robert Rodriguez und Quentin Tarantino verbinden Crime-Thriller und Vampir-Splatter zu einem Genre-Bastard, der nur in dieser staubigen Grenzregion zwischen Texas und Mexiko spielen kann.
BREAKDOWN
Es ist schon Alptraum genug, dass das Auto mitten in der Wüste liegen bleibt (siehe SCENIC ROUTE), wenn dann die eigene Frau aber noch zu einem hilfsbereiten Trucker in den Wagen steigt und statt mit Hilfe wiederzukommen überhaupt nicht mehr auftaucht, ist das der blanke Horror.
So geht es hier Kurt Russell, der sich mit gefährlichen Kidnappern auseinandersetzen muss. BREAKDOWN ist ein zu Unrecht vergessener Thriller aus den 90ern.
HELL
Der beste deutsche Beitrag zu diesem Thema und immer noch ein schönes Wortspiel, je nachdem ob man die deutsche oder die englische Bedeutung des Titels nutzt – beides passt in gewisser Weise. In Tim Fehlbaums Endzeit-Thriller hat eine kosmische Katastrophe die Sonne so verstärkt, dass die Erde langsam ausgebrannt wird. In der Mitte schwächelt HELL etwas, überzeugt aber mit gleißender Optik einer alles zerstörenden Sonne.
RUBBER
Skurriler wird’s nicht: ein alter Autoreifen, der im Wüstensand zum Leben erwacht und per Kraft seiner Gedanken Schädel zum Platzen bringt. Und das ist nur ein Bruchteil des Wahnsinns, der uns hier erwartet. Regisseur Quentin Dupieux baut um seinen mörderischen Reifen auch noch eine Meta-Ebene mit einem Zuschauerpublikum in der Wüste. Da war eindeutig jemand zu lange in der Sonne.
MAD MAX
Egal, ob die alten Filme mit Mel Gibson oder MAD MAX: FURY ROAD mit Tom Hardy und Charlize Theron – das sind natürlich keine Horrorfilme, aber Meilensteine des Endzeitfilms, und natürlich spielt die ressourcenarme Landschaft darin eine tragende Rolle. Wasser, Benzin und Menschlichkeit sind hier knapper als der Schatten, und George Miller hat über fast 50 Jahre hinweg gezeigt, dass die Wüste die idealste aller postapokalyptischen Bühnen ist.
JOYRIDE
Paul Walker fährt wie in nahezu jedem seiner Filme Auto und durchquert hier zusammen mit zwei Freunden (Steve Zahn und Leelee Sobieski) die Wüstenstaaten der USA. Dabei kommt er nebenbei auf die unglaublich dumme Idee, sich per CB-Funk mit Trucker Rusty Nail anzulegen. Der versteht keinen Spaß und macht fortan Jagd auf die drei.
Ein hörbarer Antagonist (fast) ohne Gesicht ist das beste DUELL-Update der 2000er.
THE DEVIL’S REJECTS
Flirrende Hitze und Staub, der dir im eigenen Blut am Körper klebt. Willkommen in der Welt des Rob Zombie, wo eigentlich jeder Film so runtergekommen ist wie das Plumpsklo eines Trailerparks in Arizona. Für THE DEVIL’S REJECTS, den viele für Zombies besten Film halten, gilt das ganz besonders.
Die Firefly-Family auf der Flucht durch den Süden der USA – eine schmierig-grandiose Hommage an die Outlaw-Filme der 70er.
NEAR DARK
Als Vampir ist es wohl der denkbar ungünstigste Ort, sich in nahezu schattenfreien Steppen- und Wüstenlandschaften aufzuhalten, aber genau das tut die Blutsaugerbande um Lance Henriksen und Bill Paxton, die ein neues Mitglied in ihren Reihen integrieren muss. Mag unlogisch sein, funktioniert in der Umsetzung aber ohne Probleme.
Einer der ersten Filme von Kathryn Bigelow, die seitdem mit ZERO DARK THIRTY und THE HURT LOCKER in Oscar-Gefilde aufstieg.
FORMICULA
Eine Mischung aus TARANTULA und THE HILLS HAVE EYES. Hier sind es keine Spinnen, sondern riesige Ameisen, die aber wie in THE HILLS HAVE EYES unter den frühen Atomtests im Südwesten der USA litten und nun alles töten, was ihnen im Weg steht.
Klassischer Schwarzweiß-Grusel aus dem Jahr 1954, der die Einstellung zu Insekten überdenken lässt – man weiß ja nie, wie groß sie mal werden.
Bonus: THE TEXAS CHAIN SAW MASSACRE
Technisch betrachtet keine Wüste, aber kaum ein Film fängt die Hitze besser ein als Tobe Hoopers Original von 1974.
Bei Außentemperaturen über 35 Grad brachte der Schatten der Innenaufnahmen keine Erlösung, denn dort wurde es dank der Scheinwerfer noch deutlich heißer, während etwa das Essen in der bekannten Abendessen-Szene live verrottete.



























Gerry
https://youtu.be/cJgNTkJgqNs?is=ISNW6nUloLF1K0GA