Review: COBWEB (2023)

cobweb review
BEWERTUNGEN:
Redaktion: 7.0

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8/10 (1)

Darsteller: Lizzy Caplan, Antony Starr, Cleopatra Coleman
Regie: Samuel Bodin
Drehbuch: Chris Thomas Devlin
Länge: 88 min
Land: ,
Genre:

Die meisten französischen Horror-Regisseure zieht es früher oder später in die USA.
Das gilt für Alexandre Aja (HIGH TENSION) oder Alexandre Bustillo und Julien Maury (INSIDE) ebenso wie für Samuel Bodin, der für die Netflix-Serie MARIANNE verantwortlich war.

In Amerika angekommen, stellte man Bodin den Autor Chris Thomas Devlin zur Seite, der zuvor an TEXAS CHAINSAW MASSACRE mitgearbeitet hat und ließ die beiden COBWEB entwickeln; ein Film bei dem Licht und Schatten eng beieinander liegen und das im wörtlichen und übertragenen Sinn.

Worum handelt COBWEB?
Peter hat es nicht leicht. Nachts hört er ein unheimliches Klopfen an der Wand und tagsüber wird er in der Schule geärgert. Obendrein wächst sein Misstrauen gegenüber seinen Eltern. Sagen sie ihm in allen Punkten die Wahrheit?
Doch Peters Probleme hängen zusammen und gemeinsam mit seiner Lehrerin Miss Devine muss er sie lösen…und überleben.

cobweb filmkritik

Zugegeben, die Inhaltsangabe klingt nach allem und nichts, was damit zusammenhängt, dass wir euch nicht gleich vollspoilern wollen, aber auch damit, dass COBWEB viel Inhalt hat, obwohl der Cast überschaubar ist und sich die Locations auf Peters Elternhaus und die Schule beschränken.

Das ist aber ein greifbares Setting, das jeder nachvollziehen kann, der mal Kind war und als ein normaler Tag sich größtenteils zwischen Kinder- und Klassenzimmer abspielte.
Und als Kind kennt wohl jeder die Schrecken, die in den eigenen vier Wänden lauern. Da war neben der weltlichen Strenge der Eltern, das Ding unterm Bett, das Monster im Kleiderschrank oder wie im Fall von kleinen Peter, das Wesen, das an die Wand klopft.

COBWEB erzählt vom ganz (ab)normalen Schrecken eines Kindes

Aus dem Klopfen wird bald eine Stimme, die zunächst sogar gute Ratschläge hat, doch was sie Peter zuflüstert, lässt seine Eltern in einem furchtbaren Licht erscheinen.

Samuel Bodin konnte mit MARIANNE atmosphärischen Grusel erzeugen, wurde aber auch für sein Storytelling und den Einsatz von Klischees kritisiert.
Chris Thomas Devlin bewies mit TEXAS CHAINSAW MASSACRE, dass man ihn nicht in die Nähe einer Schreibmaschine lassen sollte.

COBWEB rezension

Mit diesem Wissen im Hinterkopf wundert es nicht, dass COBWEB ebenfalls nicht so recht weiß, worauf er abzielt und statt sich eines der vielen angerissenen Themen intensiv zu widmen, wirkt die Geschichte sprunghaft und am Ende nicht schlüssig.
Dass die sorgsame Lehrerin gefühlt alle fünf Minuten nach Peter schaut, aber eigentlich die meiste Zeit nichts tut, ist ein symptomatisches Problem.

Gleichwohl enthält der Film ein paar richtig starke Gruselszenen und weckt genug Interesse, um am Ball zu bleiben.
Man ahnt rasch, dass es in dem gewöhnlich aussehenden Haus mehr zu entdecken gibt und wird in diesem Punkt nicht enttäuscht.

Zu loben ist auch der Einsatz der Kamera und vor allem ein Spiel von Schatten ist kreativ und creepy.

COBWEB bedient sich großzügig

Man wird allerdings das Gefühl nicht los, dass Bodin und Devlin sich vor dem Dreh andere Filme ansahen und ihre Einflüsse gerne zeigen.
Achtung: hier folgen Spoiler!
-die üppigen Haare der Kreatur und eine ich-stehe-im-Flur-und-renne-dann-schnell-auf-dich-zu-Szene erinnern an MAMA
-dass der kindliche Protagonist einem Ratschlag folgt, wie er sich gegen seine Mobber zur Wehr setzt, diese aber dann ebenfalls zurückschlagen, erinnert an SO FINSTER DIE NACHT
-das jemand/etwas in den Wänden des eigenen Hauses wohnt, erinnert an verschiedene Werke, z.B. THE BOY, THE PACT oder HOUSEBOUND
-das man das Gefühl hat, dass die Kreatur nicht nur ein Monster ist, sondern für etwas anderes steht, erinnert an DER BABADOOK.

cobweb 2023 film

Damit wir uns nicht missverstehen: es wäre vermessen von jedem Film komplette Einzigartigkeit zu erwarten, aber im Fall von COBWEB fallen die Vorbilder gerade durch die zahlreichen Ansätze auf, die für sich genommen gut funktionieren, aber sich nicht unbedingt ins Ganze einbringen, sondern abgearbeitet werden und dann wieder verschwinden.

Dadurch wird noch deutlicher, dass die Schöpfer besser darin sind, dir einen gesunden Schrecken zu verpassen, als eine gute Geschichte zu erzählen.
Nur: damit ist wiederum nichts verkehrt.

Zwar hätte ich mir wirklich gewünscht, dass man das Böse gar nicht oder nur minimal zeigt, denn das wäre eindeutig grusliger als eine CGI-Kreatur (auch hier lässt MAMA grüßen), trotzdem ist COBWEB näher an „verdammt geil“ als „verdammt schlecht“.
Wenn man Bodin das nächste Mal einen echten Autoren zur Seite stellt, ist mit dem Mann noch zu rechnen.

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