AMERICAN SWEATSHOP (2025) | Filmkritik

AMERICAN SWEATSHOP - Offizielles Filmplakat
BEWERTUNGEN:
Redaktion: 5.5

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Darsteller: Lili Reinhart, Daniela Melchior, Jeremy Ang Jones, Josh Whitehouse, Tim Plester
Regie: Uta Briesewitz
Drehbuch: Matthew Nemeth
Länge: 100 min
Land: ,
Genre: ,
Veröffentlichung: 03. September 2026 (Digital+DVD+BD)
Verleih/ Vertrieb: Plaion
FSK: ab 16

AMERICAN SWEATSHOP und die aktuelle Version von FACES OF DEATH tragen eine Gemeinsamkeit, das Zeichen unserer Zeit ist und so im alten Jahrtausend nicht einmal existierte.
Beide Filme befassen sich mit dem Leben einer Content Moderatorin, die durch ihre Arbeit in die Nähe der Verbrechen gelangt, die sie eigentlich „nur“ bewerten soll.

Die Handlung von AMERICAN SWEATSHOP

Daisy Moriarty ist eine von vielen, die in einem Großraumbüro den ganzen Tag an einem PC sitzen und gemeldete Inhalte auf sozialen Netzwerken kontrollieren.
Pornos, Selbstmorde, Tierquäler, Unfälle, Mord…Daisy und ihre Kollegen sehen alles und nehmen unfreiwillig vieles davon mit nach Hause.
Eines Tages sieht Daisy ein Foltervideo, das sie nicht mehr loslässt. Als ihre Kollegen und die Polizei ihre Unterstützung verweigern, beginnt sie selbst zu ermitteln.

Ein „Sweatshop“ bezeichnet im Allgemeinen ein ausbeuterisches Unternehmen. Dabei denkt man vielleicht an Kinderarbeit in einer Mine im Kongo oder eine Fabrik voller Näherinnen in Bangladesch, aber der Film vermittelt von Anfang an das ungute Gefühl, wie es sein muss in der amerikanischen und modernen Version festzusitzen.

Im vorliegenden Fall nennt sich das Unternehmen Paladin: wer sich nicht pünktlich einloggt wird auf das Fehlverhalten hingewiesen, wer nicht funktioniert darf mit dem gelangweilten Psychologen sprechen oder sich hinter einem Vorhang ausweinen.

American Sweatshop - Lili Reinhard am Arbeitsplatz

AMERICAN SWEATSHOP zeigt den Albtraum der Content-Moderation

Während Daisy sich oft mit Marihuana benebelt, rasten andere Kollegen auch mal aus und alle teilen, dass sie Dinge sehen, die niemand sehen, geschweige denn erleben sollte.
Gnädigerweise verzichtet AMERICAN SWEATSHOP auf Details, bzw. deutet diese nur an. Einige Augenblicke verfehlen trotzdem ihre Wirkung nicht und verleiten dazu mit dem eigenen Arbeitsplatz zufriedener zu sein.

Aus der Sicht des Horrorfans wäre ein Mehr an grafischer Gewalt sicher gewünscht, aber anders als FACES OF DEATH, der zwar eine ähnliche Hauptprotagonistin vorstellt, dann aber ins exploitative rutscht, ist AMERICAN SWEATSHOP mehr als Charakter- bzw. Milieustudie zu sehen.
Ein paar Parallelen finden sich aber auch zu RED ROOMS und 8MM.

Das führt dazu, dass man dem Film gut und gerne folgt, auch mehr über Daisys mit der Arbeit verknüpftes Privatleben erfährt, aber keine Spannung aufgebaut wird.
Videos schauen, Entscheidungen treffen, sich bei der Chefin unbeliebt machen, einem auffälligen Kollegen zusehen, Pausengespräche, Partyabende, wechselnde Männerbekanntschaften.

American Sweatshop - Die Polizei taucht bei Paladin auf

Jedes der Motive wiederholt sich und während es anfangs eine gewisse Zugkraft hat, wie die Mitarbeiter geschult werden, nach welchen Kriterien sie arbeiten müssen, auch was sie sehen müssen und wie man mit ihnen umgeht, tritt AMERICAN SWEATSHOP irgendwann auf der Stelle.

Uta Briesewitz inszeniert Lili Reinhart als Content-Moderatorin

Gedreht wurde der Film von der in Deutschland geborenen Uta Briesewitz, die einige Erfahrung mitbringt (u.a. STRANGER THINGS), allerdings fast ausnahmslos im Serienbereich aktiv war. Das Drehbuch stammt von Matthew Nemeth, dem insgesamt unerfahren ist, was sich hier abzeichnet.
Immer wieder denkt man „Ja, jetzt…ach doch nicht“.
Das gilt auch für Hauptdarstellerin Lili Reinhart (THE GOOD NEIGHBOR), die hier keinen schwachen Moment hat, aber in einigen Szenen so wirkt, als ginge das noch glaubhafter. Ihre Chefin wird übrigens von der Deutschen Christiane Paul (DIE WELLE) gespielt, die als kühle Vorgesetzte ebenfalls anständig spielt.

Eine der Szenen, die nicht restlos überzeugt, ist beispielsweise die in der Daisy selbst gewalttätig wird. Zunächst scheint sie einen Mann zu verführen, nur um ihn dann mit seinem eigenen Gürtel zu verprügeln. Während klar ist, was dem Zuschauer demonstriert werden soll, ist es so gar nicht plausibel, dass der körperlich überlegene Typ Schlag um Schlag einsteckt und schließlich ohne Versuch der Gegenwehr oder Flucht verprügelt am Boden liegt.

American-Sweatshop-Daisy-stellt-den-Straftaeter-im-Parkhaus

Hinzu kommt, dass man dann doch einen zielgerichteten Plot um das besagte Video einbaut, diesen aber nie fokussiert und (ACHTUNG SPOILER) den Film enden lässt, kurz bevor der Täter zur Rechenschaft gezogen wird. Einerseits bleibt man sich damit dem „andeuten nicht zeigen“ treu, andererseits wirkt das Ergebnis so nicht nur unfertig, sondern macht es auch niemandem wirklich recht.

Falls sich da draußen ambitionierte Autoren befinden, die Geschichte um Content Moderatoren und ihren beängstigenden Content wurde nun zwei Mal angefasst, aber noch nicht überzeugend dargeboten. Es besteht weiterhin Potential für ein konsequentes Werk.

Fazit zu AMERICAN SWEATSHOP

AMERICAN SWEATSHOP tanzt zwar nicht auf mehreren Hochzeiten, lässt zum Tanz aber mehrere Songs gleichzeitig laufen, gerät damit einige Male aus dem Takt und steht am Ende etwas ratlos auf dem Parkett.

Die richtige Erwartungshaltung vorausgesetzt, liefert der Film aber ohne allzu viele überzogen wirkende Szenen einen unbequemen Einblick in die hässlichen Ecken des Word Wide Web, einen dafür benötigten Arbeitsplatz und seine Auswirkungen.

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FAQ

Wer führte Regie bei AMERICAN SWEATSHOP?

Regie führte die in Deutschland geborene Uta Briesewitz, eine gefragte Kamerafrau und TV-Regisseurin (SEVERANCE, STRANGER THINGS, BLACK MIRROR). AMERICAN SWEATSHOP ist ihr Spielfilmdebüt; das Drehbuch stammt von Matthew Nemeth, zu den Produzenten zählen Barry Levinson und Oz-Schöpfer Tom Fontana.

Wer spielt in AMERICAN SWEATSHOP mit?

Die Content-Moderatorin Daisy spielt Lili Reinhart, einem breiten Publikum aus der Serie RIVERDALE bekannt. Ihre kühle Chefin gibt die Deutsche Christiane Paul (DIE WELLE), in weiteren Rollen sind Daniela Melchior und Joel Fry zu sehen.

Womit lässt sich AMERICAN SWEATSHOP vergleichen?

Am nächsten liegt der kanadische RED ROOMS, der dieselbe Faszination fürs digitale Grauen teilt, dazu klingt das Serienkiller-Drama 8MM an. Anders als der drastischere FACES OF DEATH, der ins Exploitative kippt, bleibt AMERICAN SWEATSHOP Milieustudie – Daisy ist die weibliche, ins Netzzeitalter verlegte Schwester der einsam-wütenden Rächerfiguren, die Drehbuchautor Paul Schrader mit TAXI DRIVER und HARDCORE prägte. Regisseurin Uta Briesewitz verlegt deren Abstieg vom Rotlichtmilieu der 70er in die Großraumbüros der Content-Moderation.

 

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