Dieses Review wurde am heißtesten Tag des Jahres verfasst. Dass der Film DEAD OF WINTER heißt und das Cover zum Frösteln einlädt, kommt daher bei Temperaturen jenseits der 40° gelegen, wirkt aber auch unwirklich.
Da mit Emma Thompson eine doppelte Oscar-Preisträgerin am Start ist, ist auf jeden Fall Neugier angesagt.
Die Handlung von DEAD OF WINTER – EISIGE STILLE
Barb ist seit kurzem Witwe. Alleine begibt sie sich in die verschneite Wildnis Minnesotas, denn sie sucht einen See, an dem sie die Asche ihres verstorbenene Mannes verstreuen soll.
Als sie unterwegs bei einem abgelegenen Hof nach dem Weg fragt, denkt sich noch nicht viel, als sie im Schnee einen Blutfleck entdeckt, doch als sie an ihrem Ziel angekommen miterlebt, wie eine junge Frau vor dem Hofbesitzer fliehen will, weiß sie, dass sie einschreiten muss.
Eine wichtige Prämisse für DEAD OF WINTER ist das gute alte „No Signal“-Klischee, ohne das Barb in Windeseile die Polizei, Kavallerie oder Nationalgarde hätte herbeirufen können. Das sei aber verziehen denn möglich ist fehlender Handyempfang grundsätzlich natürlich schon.
Emma Thompson als ungewöhnliche Action-Heldin
Jedenfalls bedeutet das, dass Barb, die uns nicht als typische Heldin, sondern „normale“ Rentnerin vorgestellt wird, selbst aktiv werden muss, um die Entführte zu befreien.
Daraus entsteht ein Katz- und Mausspiel, in dem Barb immer wieder die Pläne des Ehepaars, das die Frau entführt hat, durchkreuzt, mit einfachen Mitteln Fallen stellt, selbst aber auch verletzt wird.
Als männlichen Entführer sehen wir einen alten Bekannten wieder. Marc Menchaca spielt in den letzten Jahren öfters einen Bösewicht, die Rolle, die er hier einnimmt, erinnert aber vor allem an den Entführer aus ALONE. Auch dort war er der Widersacher, der eine Witwe durch die Wälder jagt.
Seine Partnerin wird von Judy Greer gespielt (THE VILLAGE, JAMIE MARKS IS DEAD).
DEAD OF WINTER hat seine Gewaltspitzen, was eine 16er-Freigabe leicht gerechtfertigt hätte. Dass ihn die FSK „ab 12“ durchwinkte, mag aber auch damit zu tun haben, dass weder Barb, noch die beiden Gegenspieler sonderlich professionell und damit auch nicht übermäßig bedrohlich wirken.
DEAD OF WINTER: Survival-Thriller mit Parallelen zu ALONE
Mencheca bricht beispielsweise früh im Film im Eis ein und kämpft fortan mit Unterkühlung, scheint aber ohnehin nicht die treibende Kraft. Barb hingegen tüttelt sich ein bisschen wie Forrest Gump durch den Film. Sie scheint nicht zu wissen, was sie tut, tut das aber erfolgreich.
Das macht den Film noch nicht lächerlich, raubt ihm aber doch genug Ernsthaftigkeit, um nicht mit runtergekauten Nägeln auf der Couch zu fiebern.
Es ist aber auch die Motivation der Entführung, die kaum ernstgenommen werden kann. (ACHTUNG SPOILER). Zieht man noch einmal den Vergleich zu ALONE, wurde dort nicht viel erklärt, eine sexuell-sadistische Intention konnte allenfalls unterstellt werden, aber mehr brauchte es auch nicht.
In DEAD OF WINTER braucht die Entführerin eine neue Leber. Dass dabei Leichen ihren Weg pflastern, sie nicht wie eine Chirurgin rüberkommt und der OP-Saal ein provisorisches Zelt auf einem zugefrorenen See ist, überzeugt zu keiner Sekunde.
Emma Thompson spielt ihren Part zwar souverän, kann aber nicht jede Welle im Drehbuch glattbügeln. Was der Film hingegen gut macht und dadurch ihre Figur näher bringt, sind verschiedene Rückblicke auf die gemeinsamen Jahre mit ihrem Mann, die vom Kennenlernen bis ins Alter reichen.
Fun Fact: die junge Barb wird von Thompsons eigener Tochter gespielt.
DEAD OF WINTER ist eine kanadisch-deutsch-amerikanische Koproduktion, gefilmt wurde in Finnland, Emma Thompson und Regisseur Brian Kirk sind Briten. Da darf man also die Internationalität loben, daraus resultierende Interessenkonflikte aber nicht ausschließen. Zumindest würden diese erklären, warum der Film oft nicht konsequent wirkt.
Das ZDF hat aus deutscher Sicht an DEAD OF WINTER mitproduziert und dass „das Zweite“ den Ruf als Rentnersender innehat, passt ganz gut zum Alter seiner Heldin.
Fazit zu DEAD OF WINTER
Obwohl DEAD OF WINTER nichts Grundlegendes verkehrt macht, macht er auch wenig besonders gut. Es fehlt am nötigen Biss und sowohl Protagonisten als auch Antagonisten wirken wie zwei blinde Boxer, die aufeinander losgehen.
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FAQ
Wer spielt in DEAD OF WINTER mit?
Die Hauptrolle der verwitweten Barb übernimmt die zweifache Oscar-Preisträgerin Emma Thompson. Das Entführer-Paar spielen Judy Greer und Marc Menchaca. Ein netter Fun Fact am Rande: Die junge Barb in den Rückblenden wird von Thompsons eigener Tochter Gaia Wise verkörpert.
Wo wurde DEAD OF WINTER gedreht?
Obwohl der Film im verschneiten Norden Minnesotas spielt, wurde er überwiegend im finnischen Koli sowie in Nordrhein-Westfalen gedreht. DEAD OF WINTER ist eine internationale Koproduktion, an der aus deutscher Sicht das ZDF beteiligt war.
Welcher Film ähnelt DEAD OF WINTER?
Wer DEAD OF WINTER mochte, sollte ALONE kennen: Auch dort spielt Marc Menchaca einen Entführer, der eine Witwe durch die winterliche Wildnis jagt. Die Grundkonstellation aus Frau, Schnee und kaltblütigem Verfolger ist in beiden Filmen nahezu deckungsgleich.










