Joe Begos mag nicht der größte Name im Horrorfilm sein, er hat aber einen Stil. Mit JIMMY AND STIGGS setzt er fort, was seine letzten Werke BLISS, VFW oder CHRISTMAS BLOODY CHRISTMAS ausmachten: handgemachte Effekte, Low Budget; hoher Gewaltanteil und eine Optik, die an das Foyer einer 90er-Jahre-Disco erinnert.
Die Handlung von JIMMY AND STIGGS
Der Tag lief nicht gut für den erfolglosen Filmemacher Jimmy und er beschließt ihn mit einer Nase Koks und einem Joint ausklingen zu lassen. Doch dann greifen ihn Aliens an und während er sich die ersten Außerirdischen vom Leib halten kann, ist er froh, dass Kumpel Stiggs vorbeikommt, um ihm zur Seite zu stehen. Doch die beiden sind sich selbst nicht immer grün und als ihnen jedes Entkommen aus Jimmys Apartment unmöglich ist, müssen sie sich selbst und die außerirdische Bedrohung bekämpfen.
Unerwarteterweise startet JIMMY AND STIGGS mit zwei Fake-Trailern, wie man das aus dem GRINDHOUSE-Double Feature DEATH PROOF und PLANET TERROR kennt.
Die beiden (noch) nicht existierenden Filme heißen in diesem Fall THE PIANO KILLER und DON’T GO IN THAT HOUSE, BITCH.
In beiden Fällen ist Eli Roth involviert, der auch JIMMY AND STIGGS produzierte und als ersten Beitrag auf seinem Label The Horror Section veröffentlichte. Roth machte bekanntermaßen schon den THANKSGIVING-Fake Trailer zu einem Langfilm, was wohl auch hier der Fall sein wird.
JIMMY AND STIGGS als Kammerspiel im Drogenrausch
Leider sind die Trailer bereits das Highlight der nächsten 80 Minuten, die sich länger anfühlen.
Die Handlung nahezu komplett in Jimmys Wohnung spielen zu lassen, ist per se nicht zu kritisieren, aber Kammerspiele brauchen immer auch gute Ideen.
Dadurch, dass die beiden Kumpel ähnlich wie in BRICK von der Außenwelt abgeschottet sind, weil die Aliens Tür und Fenster vermauerten, müssen sie aber eben mit sich selbst auskommen, was ihnen und dem Zuschauer schwerfällt.
Wer aus den Dialogen ein Trinkspiel macht, wird mit jedem Schnaps bei dem Wort „Motherfucker“ im Krankenhaus landen, während Saufen auf „Fuck“ oder „Shit“ unweigerlich zum Tod führt.
Nun wollen wir nicht so tun, als wären tiefsinnige Männergespräche angesagt, wenn Aliens die Welt übernehmen wollen, aber Jimmy und Stiggs wirken wie zwei versiffte Typen auf Alkohol und Drogen, die ob der kleinen grünen Männchen in Panik und Paranoia geraten.
Ein drogen-initiierter Verfolgungswahn mag dann auch der tiefere Sinn des Werks sein. Vielleicht ist der tiefere Sinn aber auch, dass hier mal gar kein doppelter Boden eingebaut, kein Anflug von Elevated Horror vorhanden ist und es einfach eine Stunde lang Splatter-Exzess gibt.
Wie zu lesen ist, wurde der Dreh des Films bereits zu Covid-Zeiten in Begos‘ Haus begonnen, was wiederum das Gefühl des von-der-Außenwelt-abgeschnitten-seins und des kleinen Casts erklärt. Bei Begos Putzfrau dürfte das interstellare Massaker in den eigenen vier Wänden hingegen Fragen aufwerfen.
Joe Begos und der handgemachte Neon-Splatter
JIMMY AND STIGGS ist ein Splatterfilm, bei dem das Wort Splatter groß geschrieben wird, es muss daher an durch seinen ungewöhnlichen Look liegen, der die umherspritzenden Körpersäfte immer stilisiert erscheinen lässt, dass die FSK hier eine 16er-Freigabe herausrückte.
Andererseits lassen sich ein paar TANZ DER TEUFEL – Anleihen (enger Raum, wenig Menschen, Schrotflinte, Kettensäge und Gore) nicht verleugnen und der ist heute auch ab 16 freigegeben.
Wie sich das im Low Budget – Bereich gehört, führt Joe Begos bei JIMMY AND STIGGS nicht nur Regie, schrieb das Skript und ist Produzent, sondern spielt eine der Hauptrollen als Jimmy gleich selbst.
Wie schon in seinen letzten Filmen setzt Begos auf ein dunkles Bild mit Neon-Kontrast, das für den Zuschauer (zumindest für mich) auf Dauer anstrengend ist. Dazu kommen stroboskop-artige Lichteffekte, die eigentlich eine permanente Epilepsiewarnung erfordern und die man auch mögen muss.
Fazit zu JIMMY AND STIGGS
So schön solche kleinen Produktionen auch sind, die sich einen Scheiß um Story, Höflichkeit und Sauberkeit scheren, auch sind, JIMMY AND STIGGS wirkt tatsächlich wie das aus Langeweile geborene Projekt zweier Buddies im Covid-Drogenrausch und man muss schon ausgesprochener Fan von Begos‘ Stil sein, um sich hier dauerhaft unterhalten zu fühlen.
Einen halben Punkt Extra gibt es aber für die wirklich spaßigen Fun-Trailer am Anfang.
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FAQ
Wer spielt in JIMMY AND STIGGS mit?
Joe Begos spielt selbst den arbeitslosen, abgestürzten Filmemacher Jimmy Lang – halb Selbstporträt. Seinen entfremdeten Freund Stiggs gibt Matt Mercer (CONTRACTED), dazu kommen Riley Dandy und James Russo. Gedreht wurde tatsächlich in Begos' echter Wohnung auf 16-mm- und 8-mm-Film, mit durchgehend praktischen Effekten.
Wie brutal ist JIMMY AND STIGGS?
Der Film ist ein waschechter Splatter, bei dem das Wort groß geschrieben wird – die umherspritzenden Körpersäfte sind allerdings so stilisiert und überzogen inszeniert, dass die deutsche Freigabe bei FSK 16 landete. Neben dem Gore fallen die stroboskopartigen Lichteffekte auf, die eine Epilepsie-Warnung rechtfertigen und die man mögen muss.
Läuft JIMMY AND STIGGS in einer Reihe oder gibt es eine Fortsetzung?
Ja. Der Film ist die erste Veröffentlichung von Eli Roths neuem Genre-Studio The Horror Section. 2026 wurde in Cannes ein argentinisches Spin-off eingetütet: Regisseur Sebastián De Caro, Co-Autor des Originals, verlegt die Alien-Bedrohung nach Argentinien, Begos und Roth fungieren als ausführende Produzenten.










