Mit BACKROOMS kommt ein Film in unsere Kinos, dessen Thematik um gelbe, leere Räume bei den einen Stirnrunzeln und Fragezeichen auslösen wird, während für andere der junge Regisseur Kane Parsons schon lange ein Star ist.
Warum Parsons bereits jetzt Kult ist und natürlich, ob es sich lohnt BACKROOMS zu sehen, erfahrt ihr in unserer Kritik.
Inhaltsverzeichnis
Die Handlung von BACKROOMS
Es ist 1990. Clarks Leben liegt in Trümmern. Der gelernte Architekt ist Alkoholiker und betreibt ein heruntergekommenes Möbelhaus, in dem er nach der Trennung von seiner Frau auch lebt.
Seine Ängste und Sorgen teilt er mit seiner Psychologin Dr. Mary Kline, die selbst das Kindheitstrauma ihrer agoraphobischen Mutter verarbeiten muss.
Eines Tages entdeckt Clark in den Kellerräumen des Ladens einen unsichtbaren Durchgang in der Wand, der in ein dahinterliegendes riesiges Labyrinth aus verlassenen, gelbstichigen Büroräumen führt.
Doch wie sich zeigt, sind die Räumlichkeiten, die oft eine skurrile Architektur aufweisen, alles andere als leer…und ungefährlich sind sie auch nicht.
Vom 4chan-Foto zum A24-Kinohit: Die Geschichte hinter BACKROOMS
Was 2019 mit einem irritierend-verstörenden Foto eines großen, leeren, gelblichen, fensterlosen Raums auf 4chan begann, entwickelte im Internet über die Jahre ein Eigenleben, das sich rational so wenig erklären lässt, wie der Inhalt des von Kane Parsons im Jahr 2022 veröffentlichten YouTube-Kurzfilms.
Parsons, der damals als Kane Pixels auftrat, war zu dem Zeitpunkt 16 Jahre alt und erschuf im Folgenden eine Webserie, die viele Millionen Klicks einfuhr und auch von anderen häufiger nachgeahmt wurde.
Er selbst ist es aber, der weitere vier Jahre später seinen ersten Langfilm daraus erschuf und das mit Hilfe von James Wans Firma Atomic Monster, aber auch A24.
Sehr pauschal formuliert steht Wan natürlich eher für Mainstream, A24 für Kunst, aber beide zeigten so viel Interesse an BACKROOMS, dass sie zum ersten Mal zusammen an einem Projekt arbeiteten.
Das Ergebnis kann sich sehen lassen, wird aber nicht jedem gefallen. Insbesondere der Teil des Publikums, das mit der Webserie nicht vertraut ist und auf durcherklärte Jumpscares und Helden im Teenie-Alter hofft, wird schon beim Anblick des fast 50-jährigen Chiwetel Ejiofor (12 YEARS A SLAVE), der Hauptfigur Clark spielt und der auch nicht mehr kindlichen Renate Reinsve (THE WORST PERSON IN THE WORLD), das Weite suchen.
Ganz zu schweigen davon, dass BACKROOMS sein Publikum mitdenken lässt.
Das mit dem Denken ist dabei allerdings keine Pflicht, denn wir haben es mit einem Film zu tun, der vor allem gefühlt werden will. Auch auf die Gefahr hin, mit dem Vergleich noch mehr Menschen abzuschrecken, liegen gewisse Parallelen zu SKINAMARINK vor, der ebenfalls mehr die emotionale als die rationale Ebene ansprach und das ist schließlich auch, was die Liminal Space – Ästhetik zu Beginn, aber auch im Langfilm ausmacht.
Übrigens, obwohl die YouTube-Videos im Found Footage Stil ihren Anfang nahmen, mischt der Spielfilm die Perspektiven aus Dritter und Erster Person, was aber kein Störfaktor ist.
Bei so viel ungewöhnlicher Visualität rückt die alte „style over substance“-Floskel in greifbare Nähe, allerdings vermittelt BACKROOMS nicht den Eindruck unausgereifter Mindfuck zu sein, sondern eher, dass man einfach auf dem Schlauch steht und alles einen Sinn ergeben könnte, wenn man denn nur das Hirn lange genug zermartert. Das wiederum erinnert an das Schaffen eines David Lynchs.
Eine kurze Analyse von BACKROOMS
Spoiler: Die (mögliche) Lösung ist nicht zufällig ähnlich verschachtelt wie die grotesken Räumlichkeiten, sondern dürfte eine Metapher für das Unterbewusstsein und/oder Erinnerungen darstellen. Gerade was Erinnerungen angeht, wird dies auch im Film verdeutlicht, wobei BACKROOMS trotzdem vage bleibt.
Da Clark in regelmäßigen Sitzungen mit seiner Therapeutin zu sehen ist, drängt sich psychologische Analogie in jedem Fall auf und auch Marys Kindheit, in der sie aufgrund der Phobie der Mutter in der eigenen Wohnung eingesperrt war, liefert Hinweise auf die Bedeutung. Einerseits spielen in dieser traurigen Vergangenheit physische Räume eine Rolle, die Grenze zum psychischen Raum (Sinn/Wahnsinn oder Gegenwart/Erinnerung) kann aber ebenfalls gemeint sein. Wie wir alle wissen neigen Erinnerungen dazu zu verblassen, sich zu verändern oder in unseren Köpfen anders dargestellt zu sein, als sich die Realität damals wirklich zeigte.
Was Clark selbst angeht, begegnet der in den verborgenen Räumen seinem Alter Ego, in Form einer absonderlichen Gestalt, die an einen Piraten angelehnt ist, den Clark als Werbefigur für das Geschäft spielte, der aber in der Parallelwelt entstellt und gewalttätig ist und augenscheinlich Clarks dunkle Seite abbildet.
Spoilerende
Schon vor dem deutschen Kinostart hat der mit überschaubaren 10 Mio $ budgetierte Film weltweit weit über 200.000.000 $ eingespielt.
Man kann sicher davon ausgehen, dass Parsons viele Fans der Webserie und des Hinterzimmer-Mythos abgeholt, aber auch zahlreiche neue Anhänger gewonnen hat.
Das bedeutet aber nicht, dass BACKROOMS uneingeschränkt empfohlen werden kann, denn trotz des Erfolgs ist der Film eigen und alles andere als das ganz gewöhnliche Horror-Erlebnis.
Fazit zu BACKROOMS
Kein Zweifel, BACKROOMS ist ein Film, der wohl mit jeder weiteren Sichtung auch weitere Details und Deutungsmöglichkeiten zutage fördern wird….oder der einfach nur ein gut-ungutes Gefühl hinterlässt.
Anders als viele Kurzfilme, die die kleine Grundidee nicht über 90 Minuten erzählen können, hat man hier den Eindruck, dass ein zweiter Teil (mit dem sicher zu rechnen ist) kommen darf und auch dann noch genug Geschichte vorhanden ist, die erzählt und gedeutet werden kann.
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FAQ
Was ist die Backrooms-Internet-Legende?
Die Backrooms entstanden 2019 mit einem Foto eines leeren, gelben Bürozimmers auf 4chan. Das Konzept einer Parallelwelt aus endlosen Liminal Spaces verbreitete sich als Creepypasta und wurde von Tausenden Künstlern und Filmemachern erweitert. Kane Parsons' YouTube-Serie ab 2022 machte das Konzept massentauglich.
Wer ist Regisseur Kane Parsons?
Kane Parsons, der als YouTuber unter dem Namen Kane Pixels bekannt wurde, war erst 16 Jahre alt, als er 2022 seinen ersten Backrooms-Kurzfilm veröffentlichte. Seine YouTube-Webserie erreichte Millionen Klicks. BACKROOMS ist mit 20 Jahren sein Spielfilm-Debüt.
Wie brutal ist BACKROOMS?
BACKROOMS setzt primär auf Atmosphäre und psychologisches Unbehagen statt auf explizite Gewalt. Der Film ist weit von Splatter-Horror entfernt und meidet klassische Jumpscares.










