DIE AKTE MALDOROR (2024) | Filmkritik

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BEWERTUNGEN:
Redaktion: 6.0

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7.5/10 (2)

Darsteller: Anthony Bajon, Alba Gaïa Bellugi, Alexis Manenti
Regie: Fabrice du Welz
Drehbuch: Fabrice du Welz, Domenico La Porta
Länge: 147 min
Land: ,
Genre: ,
Veröffentlichung: 04. September 2025 (DVD+BD)
Verleih/ Vertrieb: Capelight
FSK: ab 16

DIE AKTE MALDOROR befasst sich mit einem der dunkelsten Kapitel der belgischen Kriminalgeschichte: dem Fall Marc Dutroux. Dutroux sitzt derzeit eine lebenslange Haftstrafe ab. Er hatte mehrere Mädchen und junge Frauen entführt, vergewaltigt und ermordet. Zwei der Opfer verhungerten in einem winzigen Verlies in seinem Keller.

Diese an sich schon unbeschreiblichen Taten, werden mit der Verfilmung durch Fabrice du Welz, der schon durch schmutzige Werke wie CALVAIRE und ALLELUIA auffiel, nicht angenehmer.

Wovon handelt DIE AKTE MALDOROR?

Der junge Polizist Paul Chartier wird einer geheimen Spezialeinheit zugeordnet und soll den vorbestraften Sexualverbrecher Marcel Dedieu überwachen, der im Verdacht steht, etwas mit dem Verschwinden zweier Mädchen zu tun zu haben. Paul ist ambitioniert, doch erkennbare Erfolge bleiben aus, während ihm die Arbeit durch hauseigene Bürokratie und Desinteresse der Kollegen erschwert wird.

Zwar wird die Handlung des Films fiktionalisiert, das heißt, dass keine reale Namen verwendet werden (Dedieu = Dutrout), ein Teil der Handlung merklich von der realen Geschichte abweicht und es auch kein konkretes Vorbild für Paul Chartier gab.
Die finsteren Tatmotive, das gut getarnte Verlies im Keller eines Schrottplatzes, selbst die bekannte tragische Tatsache, dass ein Polizist bei einer Hausdurchsuchung Stimmen hörte, dem aber nicht ausreichend nachging, finden sich in DIE AKTE MALDOROR wieder.

Fabrice du Welz hat dabei aber trotz der grausigen Inhalte weder Horrorfilm noch Thriller erschaffen, sondern erzählt auf zweieinhalb Stunden aus der Sicht von Paul.
Voyeurismus oder Plakatives bleiben außenvor. Die Opfer sehen wir meist nur von Suchplakaten, lediglich einige wenige Augenblicke lassen erahnen, was ihnen widerfuhr. Einmal zeigt man uns ein gerettetes Kind mit sichtlich verstörtem Blick, ein anderes Mal werden zwei Mädchen zu Männern in einen Van gebracht, die sich ausziehen….
Die Fantasie reicht aus, um nicht mehr davon sehen zu müssen.

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DIE AKTE MALDOROR bietet eine neue Sicht auf einen prominenten Fall

Man mag argumentieren, dass der Film den Tätern mehr Platz einräumt als den Opfern, was eindeutig stimmt. Damit unterscheidet er sich natürlich von 3096 TAGE oder HOUNDS OF LOVE. Gleichzeitig geht DIE AKTE MALDOROR zwar auf das Miteinander verschiedener Täter ein (die sich auch untereinander Gewalt antun), gewährt Einblicke ins „normale“ Leben von Dedieu, betreibt aber keine Ursachenforschung und beschäftigt sich auch nicht mit der Psychologie der Täter.

Stattdessen werden wir über Minuten Zeugen von Pauls Hochzeit und erfahren, dass er selbst eine schwierige Kindheit und Rotlichtbezüge hatte. Eine knackige Erzählweise geht anders.

Dass ein solcher Film, der über Monate – mit ein paar Ausläufern sogar über Jahre – erzählt wird, keine Hochspannung mit sich bringt, liegt fast in der Natur der Sache und wäre dem realen Fall auch nicht gerecht geworden. Auch gab es in den letzten 30 Jahren genügend Aufarbeitung der Taten, um einen neuen Blickwinkel einzuführen, phasenweise kommt der Film aber nicht auf den Punkt und einige Szenen hätte man mühelos kürzen können, ohne den Punkt zu verfehlen.

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Es liegt unter anderem an der Filmographie von Fabrice du Welz, aber auch Werken wie ANIMALS, MEGALOMANIAC oder BORGMAN (weitere belgische Filme findet ihr hier), dass man Belgien am liebsten auf Google Maps sperren möchte und auch DIE AKTE MALDOROR zeigt das Land in abgewrackter Siff-Ästhetik.
Selbst der speckige Protagonist Paul wirkt mit seinem Oberlippenbärtchen 10 Jahre zu spät dran und obwohl seine Figur positiv besetzt ist, zeigt er im Verlauf des Films nachvollziehbare, aber unschöne Charakterzüge. Helden sucht man also vergeblich.

Hätte man mich vor einigen Jahren gefragt, wen man zur filmischen Auseinandersetzung mit dem Dutroux-Fall als Regisseur einsetzen sollte, wäre Du Welz ein ganz heißer Kandidat gewesen. Rückblickend muss ich aber sagen, dass er sich trotz einiger Qualitäten hiermit übernommen hat.
Und das nicht, weil die Opfer zu kurz kommen, denn deren sparsames Zeigen war sicher geplant.
Auch nicht, dass der Fokus auf der Polizeiarbeit liegt, denn einige Fragen, was damals schieflief und wie mit Verantwortung umgegangen wird, sind durchaus stimmig.
Dass der Film aber nicht kompakt wirkt, liegt weniger an seiner Dauer als an seiner Erzählweise, die mitunter wie Kameraarbeit und Dialoge unstet erscheint.

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(Uns lag der Film zur Sichtung in französischer Originalsprache mit gelegentlichem Italienisch und englischen Untertiteln vor. Die Untertitel waren dabei teils deutlich vor der dazu passenden Szene zu lesen. Das soll weder eine Anklage noch Entschuldigung sein, aber führt dazu, dass sich ein ohnehin schwieriger Film, bei dem es viel Geschrei und wacklige Kamera gibt, noch schwieriger anfühlte).

Allgemeiner Spoiler: Zum Ende hin entfernt sich DIE AKTE MALDOROR noch weiter von der Realität und beschäftigt sich mit Wut der Bevölkerung auf die Polizei und Pauls eigenem Antrieb den Täter zu stellen. Diese Freiheiten wollen wir gar nicht weiter bewerten, unterstreichen aber, dass hier längst nicht alles auf wahren Begebenheiten beruht und fügt einen Kurswechsel innerhalb der Geschichte hinzu, der seinerseits auch nicht ganz stimmig rüberkommt.

Fazit zu DIE AKTE MALDOROR

Wer sich belgischen Dreck herbeisehnt, findet ihn optisch und inhaltlich und das auch ohne widerlichste Details. Erwartungsgemäß ist DIE AKTE MALDOROR kein Film zum Wohlfühlen, was aber nicht nur an den thematisierten Gräueltaten liegt, sondern auch Bildern, Kameraführung, Drehbuch und Figurenzeichnung.

Hier kannst du dir DIE AKTE MALDOROR ansehen

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