Wenn die Weihnachtszeit naht, wird wie in jedem Jahr wieder DREI HASELNÜSSE FÜR ASCHENBRÖDEL laufen. Wer es nicht ganz so unschuldig mag und neben Grimm’scher Märchenromantik auch grimmigen Bodyhorror liebt, sollte sich THE UGLY STEPSISTER ansehen, hier gibt es das Beste aus beiden Welten.
Wovon handelt THE UGLY STEPSISTER?
Der Prinz sucht eine Frau und Elvira ist verliebt in den Prinzen. Doch sie ist längst nicht so hübsch wie ihre Stiefschwester. Dafür hat sie eine Mutter, die alles für Reichtum tut und auch an der Beisetzung ihres jüngst verstorbenen Mannes spart, um Elvira mit allen Mitteln auf den Thron zu helfen.
Du denkst, du kennst die Geschichte und das stimmt. THE UGLY STEPSISTER gibt sich – vor allem in der zweiten Hälfte – keine Mühe seine Nähe zu ASCHENPUTTEL zu verbergen. Aber während man gerne über die Brutalität in den Märchen der Brüder Grimm spricht, werden die meisten Filmadaptionen dem nicht gerecht. THE UGLY STEPSISTER schon.
Zugegeben, dies ist kein purer Horrorfilm, er ist aber gespickt mit kleineren und größeren Morbiditäten und Brutalitäten, ohne deswegen seinen märchenhaften Charme gänzlich zu verlieren.
Was THE UGLY STEPSISTER anders macht als andere Erzählungen: er lässt die Haupthandlung nebenbei geschehen. Der verlorene Schuh, vermutlich DAS Symbol des Originalmärchens, wird beispielsweise ohne Herleitung in die Luft gehalten und da wir alle die Geschichte kennen, braucht es auch keine Umschweife und Erklärungen.
Eine andere Sicht auf bekannten Inhalt
Stattdessen stützt sich Langfilmdebütantin Emilie Blichfeldt auf eine Figur, die normalerweise nur ziemlich pauschal und einseitig betrachtet wird. Die bösen Schwestern, die Aschenputtel/Aschenbrödel in der Geschichte erniedrigen, erfahren meist keine große Charakterzeichnung, Elvira aber schon.
Sie ist eine verträumte junge Frau, die nicht mit dem bestechenden Äußeren ihrer Stiefschwester Agnes gesegnet ist, deswegen unsicher ist, aber an ihr großes Ziel glaubt…nicht zuletzt, weil ihre Frau Mutter sie dorthin drängt. Egal, ob es ums Tanzen, Abnehmen oder die perfekte Nase geht, Elvira nimmt Mühe, Demütigung und Schmerz auf sich, um sich beim großen Ball des Prinzen gegen die Konkurrenz durchsetzen zu können.
Dabei wirkt sie oft unbeholfen, fast wie eine Carrie White des Mittelalters, was aber auch die Ambivalenz ihrer Figur ausmacht. Manchmal kann sie uns Zuschauern leidtun, manchmal schämen wir uns auch für sie, aber während sie an körperlicher Attraktivität gewinnt, verblasst ihre innere Schönheit. Gleichzeitig wird uns und – so scheint es zumindest – auch ihr klar, dass sie einen hohen Preis zahlt.
Denn das Bandwurm-Ei, das sie verschluckt um schnell abzunehmen, und immer wieder ein gut hörbares Gluckern in ihrem Magen auslöst, ist nur eines der Dinge, mit denen sie sich selbst kasteit.
Und damit macht THE UGLY STEPSISTER ein Thema auf, das genau wie die Motive der Brüder Grimm nicht neu, aber immer aktuell ist: Schönheitswahn.
Wer schön sein will….isst Bandwürmer
Das gab es vor Kurzem erst in THE SUBSTANCE und auch dort in Body Horror – Variante. Im direkten Vergleich lässt es THE UGLY STEPSISTER ruhiger und charakterbetonter angehen, stellt nebenbei klar, dass der Traumprinz auch seine Schattenseiten hat und Aschenputtel (Agnes) nicht so züchtig ist, wie wir immer dachten. Dabei hat der Film nicht das ganz große Effektfeuerwerk zur Verfügung, überrascht aber immer wieder (auch mit einer auffallend deutlichen Sexszene) und schafft den Balanceakt zwischen mehreren Genres und Message, ohne zu langweilen.
THE UGLY STEPISTER ist eine norwegisch-dänisch-rumänisch-polnisch-schwedische Koproduktion und gerade im skandinavischen Raum wird bekanntermaßen noch Wert auf gutes Storytelling gelegt, was sich hier einmal mehr zeigt.
Die Botschaft wird dabei nicht aufdringlich vorgetragen, hält aber womöglich genau jenen Menschen einen Spiegel vor, die gerade dem Alter entwachsen sind, in dem man mit Märchen zu Bett geschickt wird, nun aber gerne den Arsch der Kardashians wollen, eine Nasen-OP auf der Weihnachts-Wunschliste stehen haben und sich zu gleichen Teilen von Fast Food und Abnehmspritzen ernähren.
Die norwegische Hauptdarstellerin Lea Myren wird anders als Demi Moore für THE SUBSTANCE wohl kaum mit einer Oscarnominierung bedacht, das tut ihrem Mut zur Hässlichkeit und facettenreichen Spiel aber keinen Abbruch.
Fazit zu THE UGLY STEPSISTER
Wer Märchen ohne Kitsch, dafür aber gesunder Härte, Botschaft und Charakteren mag, ist bei THE UGLY STEPSISTER gut aufgehoben.
Hier kannst du THE UGLY STEPSISTER schauen













