Mit Fortsetzungen, insbesondere fünften…sechsten…siebten Teilen ist außer ein paar Dollar selten viel zu holen. Die Story ist abgegrast, die Originalfiguren tot, das Studio will Geld sparen.
Dass es auch anders geht, zeigte zuletzt SCREAM 5 und auch FINAL DESTINATION 6 sah ich hoffnungsvoll entgehen. Ich nehme es vorweg: ohne enttäuscht zu werden.
Wovon handelt FINAL DESTINATION 6: BLOODLINES?
Als 1968 der Skyview Tower, ein Aussichtsturm mit schickem Restaurant eröffnet, lädt Paul seine Freundin Iris dorthin ein. Er will ihr einen Heiratsantrag machen, sie ihm gestehen, dass sie schwanger ist, doch das Schicksal hat eigene Pläne und als der Turm kollabiert sterben Dutzende Menschen.
In der Gegenwart träumt Studentin Stefani immer wieder von den Ereignissen und vermutet, dass mehr dahintersteckt. Doch mit ihren Nachforschungen löst sie eine Kettenreaktion aus, bei der plötzlich ihre gesamte Familie in Gefahr ist.
Auch wenn FINAL DESTINATION 6 der Idee seiner Vorgänger folgt, dass jemand dem Tod entkommt und sich dieser das nicht gefallen lassen möchte, ist diesmal einiges anders. Das BLOODLINES im Titel deutet es an, diesmal geht es nicht nur um ein paar Kumpels, sondern die familiäre Blutlinie.
Zusammen mit dem Blick in die Vergangenheit sind das schon zwei Neuerungen, die zwar einerseits angenehm frische Luft in das doch bisher absehbare Geschehen bringen, andererseits aber überhaupt nicht stören.
Denn was alle FINAL DESTINATION – Filme auszeichnet sind natürlich die ausgefallenen und kreativen Kills. Davon gibt es reichlich, einfallsreich, blutig, hart, aber auch schreiend komisch.
Überhaupt wird die humoristische Karte noch mehr ausgespielt als in der Vergangenheit und wer sich bisher vor dem Wort „Fun-Splatter“ scheute, kommt nun kaum noch drum herum.
Frischer Wind, bekannte Ausgangslage, coole Kills
Nachdem wir uns hier in der Vergangenheit oft und lange über hässliche CGI-Effekte ausgelassen haben, muss festgehalten werden, dass ganz offensichtlich vieles in FINAL DESTINATION am Computer entstand, sich aber überhaupt nicht blamiert. Auch wenn der Sonnenuntergang auf dem Sky View Tower ein Übermaß an Kitsch ausstrahlt, sind die CGI-Kills doch gelungen und wären teils mit herkömmlichen Methoden auch kaum umsetzbar gewesen.
Aller Effekte zum Trotz ist es aber so, dass das Autoren-Trio den Figuren genug Leben und Tiefe einhauchen kann und sie nicht wie Vollidioten dastehen lässt. Das war auch innerhalb des Franchise schon mal anders.
Einer der Autoren ist übrigens Guy Busick, der bereits mit READY OR NOT!?, ABIGAIL und dem bereits erwähnten SCREAM 5 bewies, dass er Horror und gute Unterhaltung kombinieren kann.
Oft sind eine Vielzahl Schreiber aber kein gutes Zeichen und die Stile der verschiedenen Autoren widersprechen sich. Das ist ein kleinerer Kritikpunkt, der sich auch FINAL DESTINATION 6 gefallen lassen muss und im hinteren Teil des Films finden sich Pathos und Tränendrücker-Momente, die in jedem Film flach wirken würden, aber sich gerade in einem überdrehten Horrorfilm schlecht machen.
Unerwartet lustig, unerwartet traurig
Auszuklammern ist dabei eine Szene, die mehr ist als ein paar abgelesene Textzeilen eines Autors und keine pompöse musikalische Untermalung braucht, um ans Herz zu gehen.
FINAL DESTINATION 6: BLOODLINES war Tony Todds letzter Auftritt und er schlüpft noch einmal ein seine Rolle als William Bloodworth, die er immer wieder als Konstante in der Filmreihe einnahm.
Todd, der im Film bereits sichtlich vom Krebs gezeichnet war und wusste, dass ihm nicht mehr viel Zeit bleibt, philosophiert noch einmal über den Tod und es ist wohl kein Zufall, dass seine Worte sowohl der Handlung dienen, aber auch als Abschiedsrede einer Horrorlegende zu verstehen sind.
Bewegend!
Davon abgesehen gibt es aber keinen Grund, warum man FINAL DESTINATION 6 allzu ernst nehmen sollte. Das Haus, in dem Stefanis Großmutter lebt, sieht aus wie eine Festung aus DER 13. KRIEGER, die Kills sind komplett over-the-top, die verschiedenen Wendungen oft nicht plausibel, was aber wichtiger ist: der Film wirkt nicht wie purer Fan-Service, sondern eine ausgewogene Mischung aus neu und alt.
Fazit zu FINAL DESTINATION 6
Mit Tony Todds Ableben hat die Reihe ihr letztes wiederkehrendes Gesicht verloren, aber auch ohne sein Mitwirken ist mit weiteren Teilen zu rechnen. Nicht nur, weil er sein Budget mit rund 300 Millionen $ fast versechsfachte, sondern auch, weil wenig falsch gemacht wurde und sich neue Zuschauer ebenso wohl fühlen dürften wie jene, die schon im Jahr 2000 auf Flug 180 reisten.
Bleibt zu hoffen, dass man erst dann weitermacht, wenn der Ideentank aufgefüllt wurde, statt die Kuh jährlich zu melken.
Für den Moment ist FINAL DESTINATION 6: BLOODLINES aber auf jeden Fall ein starkes Comeback.
Hier kannst du FINAL DESTINATION 6 sehen












