THE BEHEMOTH (2025) | Filmkritik

the behemoth (2025) - offizielles filmplakat
BEWERTUNGEN:
Redaktion: 5.5

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Darsteller: Beatrice Fletcher, Johnny Vivash, Ryan Wichert, Sarah Dawes, Alison Harris
Regie: Kai E. Bogatzki
Drehbuch: Kai E. Bogatzki
Länge: 90 min
Land: ,
Genre: ,

THE BEHEMOTH ist nach SCARS OF XAVIER der zweite Langfilm von Kai Edmund Bogatzki als Regisseur. Kai kennt man sonst als Filmeditor (z.B. SKIN CREEPERS, BLIND) und einen „Behemoth“ als polnische Black/Death Metal-Band oder als biblisches Ungeheuer.

Die Handlung von THE BEHEMOTH

Der Film eröffnet mit einer Szene, in der eine gefesselte Frau umringt von in rote Roben gehüllten Männern erwacht. Sie sei die Auserwählte lässt man sie wissen und ihr wird etwas vaginal eingeführt. Doch rasch müssen die Umstehenden merken, dass sie die Falsche haben und es hilft nur ein rascher Tod mit vielen Messerstichen.
Nach diesem Prolog lernen wir Rebecca und Ryan kennen, die auf dem Weg in den Urlaub sind und sich schnell mit der Vermieterin ihrer Ferienwohnung anfreunden, die sie zum Essen einlädt. Doch man ahnt es, der ominöse Kult wird das Leben der drei im Laufe des Films verändern.

Vor der weiteren Betrachtung muss zu THE BEHEMOTH gesagt werden, dass dies einer jener „in between“-Filme ist, die den meisten Untergrund-Amateur-Werken, wie wir sie in der Kategorie Undergrounders betrachten, in punkto Können, Talent und Geld entwachsen sind, andererseits aber ganz augenscheinlich weit weg von einem Hollywood-Budget ist.
Nun kann man also je nach Sichtweise alles bemängeln, was dem Film fehlt oder alles bejubeln, was er trotz kleinem Geldbeutel gut macht. Wir versuchen mal beides.

the behemoth (2025) - der Kult will die auserwählte

Inszenierung zwischen Underground-Charme und internationalem Anspruch

THE BEHEMOTH ist eine deutsch-britische Produktion, wobei augenscheinlich in Deutschland gedreht wurde. Die Gegend, in der unser Paar seine Ferien verbringt, dürfte der Harz sein. Dass die schwer geschädigten Wälder und ein Wetter, das nach November aussieht, nicht sonderlich einladend wirken, ignorieren wir mal, es fällt aber auf, dass nicht nur Rebecca und Ryan, sondern jeder im Film gutes Englisch spricht bzw. ausschließlich Englisch gesprochen wird.

Vielleicht ist das im Sinne einer internationalen Vermarktung sinnvoll, andererseits wäre womöglich genau das internationale Publikum an ein paar deutschen Eigenheiten interessiert und die werden von der Landschaft abgesehen komplett ausgeblendet.
Immerhin, während andere deutsche Produktionen Horst und Uschi einfach nur in Brad und Sally umbenennen und so tun als wäre Bochum Boston, könnten unsere beiden Touris Engländer auf Deutschlandbesuch sein.

the behemoth (2025) -rebecca und ryan im urlaub im harz

Das ist anständig gespielt und anständig gefilmt. Während die Dialoge keine Highlights sind und insbesondere die Beziehung der Vermieterin nirgendwohin führt, außer dass wir erfahren, dass sie und ihr Freund oft streiten und er Opfer des Kults wird, obwohl das keinen Sinn ergibt, ist es nicht so, dass die Figuren wie Vollidioten daherkommen.

Die Story wird auch darüber hinaus ohne viele Albernheiten und übermäßige Klischees erzählt, was auch für die Gewaltszenen gilt.
Während viele Film dazu neigen, die Bösewichte als besonders evil darzustellen, die mit größter Hingabe im Gedärm wühlen, am besten noch reinbeißen, dazu fancy Oneliner aufsagen und übertrieben wahnsinnig tun, fasst sich Bogatzki diesbezüglich knapp, trägt sein Anliegen humorfrei vor und gewinnt damit an Glaubwürdigkeit.

Zu reden ist hingegen über die Tonspur: so nachvollziehbar es ist, dass im Auto oder einer Bar Musik läuft, ist diese in mehreren Szenen zu präsent, zu laut und unpassend. Das gilt auch für einen Dröhn-Effekt (siehe Trailer), der schon im Vorspann massiv eingesetzt und stets erneut eingespielt wird, wenn Gefahr droht. Es ist aber vor allem ein langes Jammern und Wehklagen und Winseln der Opfer, das an den Nerven zehrt. Ja, wir verstehen, dass es nicht schön ist, was ihnen widerfährt, aber wie lange kannst du jemandem beim Bitten, Betteln und Weinen zusehen, bis du als Zuschauer den Ernst erkannt hast?

Sarah Dawes in Kai Bogatkis Horrorfilm THE BEHEMOTH

Was wiederum gelungen ist, ist der frühe Twist, den THE BEHEMOTH schon nach etwa der Hälfte des Films eröffnet.
Achtung ab hier folgen erhebliche SPOILER:
Dabei erfahren wir nämlich, dass Rebecca und Ryan nicht die üblichen Opfer sind, sondern selbst dem Kult angehören, der nun Vermieterin Christine als Auserwählte sieht.
Diese Wendung mag mit Blick auf das Verhalten der beiden nicht ganz wasserdicht sein, geht aber insgesamt in Ordnung, kam tatsächlich überraschend und erklärt im Nachhinein auch eine lange Exposition.

Stärken und Schwächen von THE BEHEMOTH im Detail

Allerdings ergibt sich daraus eine dramaturgische Problematik, denn die beiden Protagonisten sind plötzlich Antagonisten und da Christine im Anschluss der gleichen Prozedur unterzogen wird, wie die Dame am Anfang und dadurch selbst zur dämonenartigen Bösen wird, fehlen dem Film zeitweilig sämtliche positiven Figuren.

All das Böse hat aber auch etwas Gutes, denn es ist zum einen unkonventionell, lässt uns als Zuschauer die Figurenbetrachtung überdenken und dass sich die Auserwählte nun erst mal ihre Jünger vornimmt, sorgt für Genugtuung. Außerdem entdeckt Rebecca dann doch ihren Fehler, was nicht nur zu einem religionskritischen Austausch im Spezifischen und Allgemeinen führt, sondern ihr Sympathien zurückbringt.

Die verwandelte Christine ist übrigens nur minimalistisch verändert, strahlt aber schlagartig eine stattliche Bösartigkeit aus und bringt ansehnliche Kills mit.

Spoilerende

rebecca mit der kreissäge in the behemoth (2025)

Wenn THE BEHEMOTH veröffentlicht wird, werden manche wissen, dass Deutschland keinen Horror kann, andere viel Lob huldigen, weil ja schließlich Blut fließt (ich würde mit einer FSK 18 rechnen).
Die Wahrheit hängt hier wirklich von der Sichtweise ab.
Exemplarisch für diese unterschiedlichen Blickwinkel lässt sich das Finale nennen, das ein paar EVIL DEAD / HIGH TENSION – Vibes bereithält und je nach Herangehensweise als Abklatsch dieser Filme oder ein anständig inszeniertes Blutbad bezeichnet werden kann.

Fazit zu THE BEHEMOTH

THE BEHEMOTH hat verschiedene erzählerische und technischen Schwächen. Weder Figuren noch Erzählweise reißen mit. Weder Story noch Effekte sind innovativ. Da lässt sich keine 10/10 vergeben.

Auf der anderen Seite hält sich der Film stets über Wasser. Die negativen Aspekte sind nicht eklatant. Die erwähnten Soundprobleme untergeordnet. Das Schauspiel in überraschend solide und die Figuren längst nicht so nervig wie in vergleichbaren Werken.

THE BEHEMOTH mag somit nicht der Horrorfilm des Jahres sein, er stolpert aber nur selten über seine eigenen Füße und vor allem: er wirkt nicht peinlich.

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FAQ

Lohnt sich THE BEHEMOTH für Horrorfans?

Der Film liefert solide Ansätze, eine gewisse Härte und einige funktionierende Szenen, erreicht aber weder erzählerisch noch technisch ein durchgehend hohes Niveau. Wer mit kleineren Produktionen und deren Limitierungen umgehen kann, findet hier dennoch solide Unterhaltung.

Wie wirkt der Twist in THE BEHEMOTH?

Der Twist kommt relativ früh und sorgt zunächst für einen Perspektivwechsel, der den Film interessanter macht. Allerdings wirft er im Nachhinein Fragen zum Verhalten der Figuren auf.

Wie ist die Inszenierung von THE BEHEMOTH umgesetzt?

Die Inszenierung bewegt sich zwischen ambitioniertem Genrefilm und sichtbaren Budgetgrenzen. Kamera und Schauspiel sind solide, ohne besonders herauszustechen. Auffällig ist vor allem die Tonspur, die durch zu präsente Musik und wiederkehrende Soundeffekte teilweise störend wirkt und einzelne Szenen unnötig überlagert.

 

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