Denkt man an frühen Horror, sind Namen wie Edgar Allen Poe, Mary Shelley oder Bram Stoker nicht weit. Stokers bekannteste Geschichte DRACULA erschien allerdings erst 1897. Weit weniger bekannt ist hingegen DIE FAMILIE DES WURDALAK von A.K. Tolstoi, die sich ebenfalls mit Vampiren befasst und bereits 1839 geschrieben wurde.
THE VOURDALAK – TASTE OF BLOOD ist eine Verfilmung dieser Novelle.
Wovon handelt THE VOURDALAK – TASTE OF BLOOD?
Im 18. Jahrhundert reist der Marquis d’Urfé in eine abgelegene Region Osteuropas. Als der Diplomat und sein Gefolge von räuberischen Türken überfallen werden und er sich in den Wäldern verirrt, sucht er Hilfe bei einer Familie. Deren Oberhaupt Gorcha ist zunächst nicht anwesend, da der alte Mann selbst loszog, um gegen den Feind zu kämpfen. Hinterlassen hat er seinen Liebsten die Botschaft, dass sie sechs Tage auf ihn warten sollen, doch wenn er bis dahin nicht zurückkehrt, alle Türen verschließen sollen, da er dann nicht mehr er selbst sei.

Ein Vourdalak (oder deutsch meist Wurdalak) ist ein Vampir, der sich vor allem an Familienmitgliedern und Freunden vergreift. Dass diese Wesen existieren, weiß der Marquis zwar zunächst nicht und auch Gorchas ältester Sohn Jegor ist skeptisch, der Begriff ist in dieser abergläubischen Welt aber verbreitet und so macht der Film kein großes Geheimnis aus dem was uns erwartet.
THE VOURDALAK ist in jedem Fall ein Werk, das spalten wird. Alleine die Tatsache, dass der Marquis den Großteil des Films gepudert herumläuft und damit wie ein Pantomime oder Harlekin erscheint, fängt mehr Zeitgeist ein, als man erwarten konnte.
Noch drastischer ist allerdings die Darstellung von Gorcha, der – auch das lässt sich erahnen – zum Wurdalak wurde und dabei schon deswegen nicht mehr menschlich erscheint, weil er kein Mensch mehr ist, sondern eine lebensgroße Puppe.
Atmosphäre und Stil: Von 70er-Jahre-Horror bis Robert Eggers Vibes
Das ist nicht nur deswegen bemerkenswert, weil Regisseur Adrien Beau den Schritt überhaupt ging, sondern auch, weil diese groteske Gestalt, die halb Augsburger Puppenkiste, halb Nosferatu ist, stellenweise albern, manchmal aber auch creepy aussieht.

Mutmaßlich hat sich Beau damit bei Mario Bava bedient, dessen Segment I WURDALAK aus DIE DREI GESICHTER DER FURCHT die wohl bekannteste Verfilmung der Ausgangsgeschichte ist. Eine ähnliche puppenartige Requisite fand sich allerdings in DER WASSERTROPFEN, einem anderen Segment des gleichen Films.
Der Einfluss alter europäischer Filme endet damit nicht. Triste Herbstwälder und lange Schatten, wie sie in den 70er Jahren überraschend oft in Filmen anzutreffen waren, paaren sich mit altmodischer Sprache und einer unbequemen Atmosphäre. Zeitweilig wirkt das dann auch wie ein osteuropäischer Märchenfilm, wenn auch mit äußerst düsterer Note.
Stärken und Schwächen: Lohnt sich The Vourdalak für Horror-Fans?

Allerdings enthält THE VOURDALAK nicht nur Stimmung, sondern wird auch mal splattrig oder gönnt sich erotische Eskapaden.
Diese Momente sind allerdings weniger darauf aus den Horrorfilm-Fan zu bespaßen als Mittel zum Zweck, denn wir haben es mit einem Film zu tun, der sich aktuellen Sehgewohnheiten widersetzt und ein Stück weit auch an jemanden wie Robert Eggers (THE WITCH, NOSFERATU) erinnert, der den Horror, die Sex oder die Geschichte zwar mitnimmt, aber vor allem über die damalige Zeit erzählen will…auch wenn es sperrig wird.
Auch wenn uns keine Zahlen bekannt sind, allzu kostenintensiv dürfte THE VOURDALAK nicht gewesen sein, weswegen manches Kostüm, Kulisse oder Schmuck nicht komplett stimmig aussieht.
Fazit zu THE VOURDALAK – TASTE OF BLOOD
Wenn du einen „Ab und zu schau ich mal einen Film“-Menschen ärgern willst, empfiehl ihm THE VOURDALAK. Er wird ihn hassen.
Mit seiner Verneigung vor dem europäischem Kino des alten Jahrhunderts und der noch deutlich älteren Geschichte, präsentiert er sich nicht eben als leicht zugänglich.
Wer jedoch nicht nur Lust hat mal einen andersartigen Vampirfilm zu erleben, sondern auch mal eine andere Story als immer wieder die des Grafen Dracula zu sehen, sollte einen Blick riskieren.
Müsste ich zwischen dem sterilen CGI eines DRACULA – DIE AUFERSTEHUNG und der Puppe aus THE VOURDALAK wählen, würde ich zumindest sehr lange überlegen.
Hier kannst du THE VOURDALAK – TASTE OF BLOOD streamen
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Inhaltsverzeichnis
- Wovon handelt THE VOURDALAK – TASTE OF BLOOD?
- Atmosphäre und Stil: Von 70er-Jahre-Horror bis Robert Eggers Vibes
- Stärken und Schwächen: Lohnt sich The Vourdalak für Horror-Fans?
- Fazit zu THE VOURDALAK – TASTE OF BLOOD
- FAQ
- Wie brutal ist THE VOURDALAK?
- Welche Vorlage liegt dem Film zugrunde?
- Wer spricht den Vampir im Original?
FAQ
Der Film enthält einige Gewaltspitzen, darunter Kindsmord und der Zerstörung einer Familie durch das eigene Oberhaupt. Es gibt mehrere explizite Szenen, insgesamt steht der Film aber eher für eine morbide Atmosphäre.
Die Grundlage ist die Erzählung DIE FAMILIE DES WURDALAK (1839) von Aleksei Konstantinowitsch Tolstoi. Im Gegensatz zum romantisierten Vampir ist der Wurdalak hier ein parasitärer Verwandter, der nur diejenigen jagt, die er am meisten liebt.
Der Regisseur Adrien Beau leiht der Marionette seine Stimme. Er hat die Puppe am Set selbst geführt und ihr durch ein unheimliches, heiseres Krächzen eine bedrohliche Persönlichkeit verliehen. Wie brutal ist THE VOURDALAK?
Welche Vorlage liegt dem Film zugrunde?
Wer spricht den Vampir im Original?







