So sicher wie die Bahlsen-Lebkuchen, die ab September im Supermarkt stehen, bescherte uns die Filmindustrie in den letzten Jahren Weihnachtshorrorfilme. KRAMPUS (inkl. etlicher Mockbuster), BLACK CHRISTMAS, DEATHCEMBER, DER ADVENTSKALENDER, CHRISTMAS BLOODY CHRISTMAS oder TERRIFIER 3 sind nur einige der Werke, die uns in der jüngeren Vergangenheit das Fest der Liebe durch handfesten Schrecken zerstören wollten.
Auch 2025 wird es wieder blutig und über 4 Jahrzehnte nach der Entstehung von SILENT NIGHT, DEADLY NIGHT (1984) rieselt nun eine Neuverfilmung des Weihnachtsmann-Slashers in unsere Kinos.
„Schon wieder?“ wird der ein oder andere sagen, aber wir lassen mal dahingestellt, ob man SILENT NIGHT von 2012, der zwar gerne als Remake bezeichnet wird, aber kaum mehr als das Grundthema übernahm, mitzählen sollte.
SILENT NIGHT, DEADLY NIGHT von 2025 ist da schon näher am Original, bringt aber trotzdem frischen Wind mit.

Wovon handelt SILENT NIGHT, DEADLY NIGHT?
Billy ist ein Mörder, der mit einer Axt im Rucksack und einer imaginären Stimme im Kopf durchs Land reist. Als er in einer Kleinstadt Arbeit findet, kommt er rasch der Tochter des Ladenbesitzers näher, schnell stapeln sich aber auch die Leichen.
Wie der Originalfilm macht auch das Remake nie auf geheimnisvoll. Wir wissen quasi ab Minute eins, was Billy tut und was ihn antreibt. Die Ursache findet sich auch hier in der Kindheit, wo seine Familie nach einem Besuch beim Großvater von einem als Santa Claus verkleideten Psychopathen ermordet wurde.
Neu ist hingegen die warnende und mahnende Stimme, mit der unser Antiheld mal laut, mal leise Rücksprache hält. Deren Hintergrund bleibt tatsächlich länger ein Geheimnis, ist schön eingearbeitet und gibt Billy noch mehr als im Original DEXTER-Vibes.
Denn nach wie vor hat es der Killer nur auf die unartigen Menschen abgesehen. Bist du ohne Sünde, hast du hingegen gute Chancen der Axt zu entkommen.
Doch wer ist das schon?

Vom Macher von WRONG TURN: THE FOUNDATION
Verantwortlich für das SILENT NIGHT, DEADLY NIGHT-Remake ist Mike P. Nelson, der zuletzt durch ein ziemlich führerloses WRONG TURN-Reboot auffiel. Dort war nicht alles übel, man wusste aber nie so recht, wohin der Film will und phasenweise geht es SILENT NIGHT, DEADLY NIGHT ähnlich.
Denn dass Billy eine Nazi-Bande aufmischt, die sich komplett in NS-Uniformen gekleidet in einer mit Hakenkreuzflaggen dekorierten Scheune trifft, lässt sich zwar schön ansehen, dieser Anflug von Naziploitation geht aber so schnell wie er gekommen ist und lässt einen Bezug zur Story weitestgehend vermissen.
Erklären lässt sich die Szene dennoch, denn immer wieder sind im Film Überblendungen zu sehen, die an Exploitation- und Grindhouse-Kino erinnern. Dort kann man wiederum den 1984er Film einordnen, der mit seiner unrunden Story, sleazigen Sexszenen und Gewalt glänzte.
2025 ist Sex für viele Filme natürlich ein Tabu, Nacktheit steht quasi unter Todesstrafe, sodass Nelson das fehlende Element offensichtlich anderweitig kompensieren wollte, um dennoch „grindhousig“ zu wirken.
Billy mag keine Nazis
Darüber hinaus hat das Drehbuch (ebenfalls von Nelson) aber etliche andere Schwächen. Mal hat man den Eindruck, dass Nelson voraussetzt, dass man das Original kennt, mal wirkt das Werk so als habe man im Nachgang verschiedene Szenen neu zusammengeschnitten, sodass einige der Nebenschauplätze ins Nichts laufen. Und manchmal gestaltet sich das Szenenbild auch einfach so unaufgeräumt, wie das Geschäft, in dem Billy arbeitet.
Schon der Originalfilm glänzte keineswegs durch ein ausgefeiltes Drehbuch, Production Value oder tiefe Figuren, brachte aber in unter 90 Minuten auf den Punkt, was in drei Zeitebenen zu sagen hatte, während sich die 2025er-Version in 10 Minuten mehr Zeit schwerer tut stimmig zu wirken, was sich dann auch auf das Miteinander der Figuren auswirkt, denen oft die Chemie fehlt.

„Hey, ist das nicht…?“
Hauptdarsteller des Films ist Rohan Campbell, der ebenfalls schon mal negativ auffiel und in HALLOWEEN ENDS den Michael Myers–Azubi Corey spielte.
Mit anderen Worten, er mimte in HALLOWEEN ENDS den Gehilfen eines Serienkillers, der eigentlich einen guten Kern hat, aber durch unglückliche Umstände selbst zum Maske-tragenden Mörder wird. Also genau die Rolle, die er in SILENT NIGHT, DEADLY NIGHT erneut spielt.
Gratulation! In Anbetracht der Tatsache was für ein Murks HALLOWEEN ENDS war, hätte es diese Negativ-Assoziation nun echt nicht gebraucht und wer auch immer hier fürs Casting verantwortlich war, sollte man nackt in einen Kaktus werfen.
Aber bei aller Kritik:
Rohan Campbell macht das nach dem ersten Schock nicht übel und SILENT NIGHT, DEADLY NIGHT nimmt sich nicht so unnötig ernst wie HALLOWEEN ENDS. Außerdem kann das Werk mit der Stimme in Billys Kopf ein paar Akzente setzen, baut weniger als das Original auf platte Küchenpsychologie, sondern verweist auf einen anderen, (kleiner Spoiler) übernatürlichen und gar nicht dummen Grund, der ihn Morden lässt und lässt statt Nacktheit den Bodycount für sich sprechen.
Fazit zu SILENT NIGHT, DEADLY NIGHT
In Summe ist SILENT NIGHT, DEADLY NIGHT weder ein Jahres-, noch ein Xmas-Horror-Highlight, sorgt in der richtigen Jahreszeit aber trotzdem für kurzweilige Augenblicke und ist damit in der Gesamtbetrachtung seinem Original auch wieder erstaunlich ähnlich.
Ein ultrabrutales Schlachtfest wie die TERRIFIER-Filme sollte man trotz des Verweises auf dem Plakat nicht erwarten, seine 18er-Freigabe hat er sich aber redlich verdient.
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