Als letztes Jahr THE STRANGERS: CHAPTER 1 erschien, war schnell klar, dass sich der angerichtete Schaden nur begrenzen lässt, wenn die angekündigte Trilogie als Ganzes besser funktioniert. Mit
THE STRANGERS: CHAPTER 2 ist nun also der zweite Teil da und nachdem CHAPTER 1 kaum mehr als ein Remake des bekannten Home Invasion – Thrillers von 2008 war, öffnet man sich nun Neuem.
Obacht vor möglichen Spoilern, wenn man Teil 1 nicht kennt.
Wovon handelt THE STRANGERS: CHAPTER 2?
Nachdem Maya die Schrecken der Nacht schwer verletzt überlebt hat, erwacht sie in einem Krankenhaus. Dort gibt man sich weiter kleinstädtisch-mysteriös, sie erfährt aber, dass es bereits zuvor Morde gab, jedoch nie Überlebende.
Glück für Maya, aber die drei Maskierten schrecken auch nicht davor zurück ins Krankenhaus einzudringen und erneut beginnt ein tödliches Katz- und Maus-Spiel.
Hier findet also ein Location-Wechsel statt, wie man ihn auch aus HALLOWEEN 2 oder COLD PREY 2 kennt, wo Überlebende des Originals in einem Hospital Zuflucht fanden.
Das Krankenhaus unterscheidet sich von dem Wohnhaus aus Teil 1 durch lange Flure, Technikräume, aber auch eine größere Zahl vom Menschen. Letzteres zumindest in der Theorie, denn als die Eindringlinge dort auftauchen ist wieder Nacht und weder Personal noch andere Patienten eine Hilfe.
Das ist nicht allzu realistisch, aber nichtsdestotrotz anständig in Szene gesetzt.
Der Film beschränkt sich diesmal aber nicht auf diesen Ort, sondern bindet später auch Farmen, Wälder und die ganze Ortschaft mit ein, die wir zu Beginn des ersten Films etwas kennenlernen durften, sodass THE STRANGERS: CHAPTER 2 vom reinen Home Invasion zum Survival-Horror wird.

THE STRANGERS meets THE REVENANT
Dass mit diesem Städtchen etwas nicht stimmt, wird dadurch verdeutlicht. Es schwebt eine latente Paranoia mit, da man als Zuschauer auch nicht weiß, wer der Bewohner denn unter den Masken steckt. Da sich jeder komisch verhält, oft aber sterben muss, bevor er auspacken kann, bleibt der Ort aber ein Fragezeichen, dass sich wohl erst mit CHAPTER 3 erklären wird.
Die Frage ist: will man das? Denn nach den spannend inszenierten und schnörkellosen Verfolgungsszenen im Krankenhaus begegnet Maya noch einer Vielzahl von Menschen und Plätzen, was neue Möglichkeiten erschafft, aber nicht immer schlüssig ist. (Spoiler) Dass Maya die schweren Verletzungen der ersten Filmnacht spürt, ist recht realistisch dargestellt, ihre Verfolger stecken hingegen auch einiges ein, scheinen aber selbst Stiche mit der Mistgabel rasch zu vergessen.
Und spätestens wenn sie einem riesigen Wildschwein begegnet, dass sie in einer an den Bärenangriff aus THE REVENANT erinnernden Szene attackiert, gehen mit dem einst simplen Grundthema die Pferde durch.
Wie groß ist die Chance, dass du dich durch die Wälder schleppst, von drei Mördern verfolgt wirst und dich dann ein wütender CGI-Eber plattmacht, der ohne Anlass so sauer ist, dass er selbst in ein Auto eindringt, in das sich unsere Heldin flüchtet?

Was Sie schon immer über Tamara wissen wollten…
Was THE STRANGERS 2008 unter anderem auszeichnete war die Beliebigkeit mit der die drei Täter ihre Opfer aussuchten, während das Motiv gänzlich unbekannt blieb.
THE STRANGERS: CHAPTER 2 stellt hingegen klar, dass Regisseur Renny Harlin (CLIFFHANGER) und sein Autorenteam damit nicht einverstanden sind und die Hintergründe beleuchten wollen.
Das ist, was auch in Rob Zombies HALLOWEEN passierte. Man gab Michael Myers einen Background, was verständlicherweise nicht jeder mochte, im Kontext zu Zombies Interpretation aber ins Bild passte. Renny Harlin stützt sich hingegen vor allem auf die bekannte Anklopf-Frage „Ist Tamara da?“, die dann in Rückblenden ausschweifend erläutert und unproportional aufgeblasen wird.
In die einfache Story passt sie so gut wie das oben genannte Wildschein.
Neben diesen Rückblenden, die uns in die Psyche der Bösewichte schauen lassen, erhalten wir übrigens auch Einblick in Mayas Verstand, die an einigen Stellen zu halluzinieren scheint.

Fazit zu THE STRANGERS: CHAPTER 2
Natürlich muss man THE STRANGERS: CHAPTER 2 den benefit of a doubt lassen, dass da noch ein Teil kommt und womöglich alles angemessen und schlüssig erklärt wird, aber nachdem nun 2/3 der Trilogie durch sind, sollte man sich langsam mit dem Gedanken abfinden, dass auch Teil 3 nicht überzeugen, sondern nur lauwarme Antworten auf Fragen liefern wird, die zwar seit 2008 bewusst offenblieben, aber besser gar nicht, als schlecht beantwortet werden.
Zieht man hingegen nur den Vergleich zwischen CHAPTER 1 und CHAPTER 2, lässt sich tatsächlich eine kleine Steigerung erkennen. Das liegt vor allem daran, dass sich die Story immerhin vom Original löst und dadurch -trotz aller eigenen Probleme- weniger vergleichbar ist. Ein paar Szenen sind zudem gelungen und spannend und wer gerne mitzählt: der Bodycount steigt.
In Summe reicht der Wirrwarr aus straightem Survival, Schweinepest, Visionen und Erinnerungen aber erneut nicht, um hier von einem überdurchschnittlichen Film zu sprechen.











