Innerhalb weniger Jahre ist GOOD BOY bereits der Dritte Film dieses Titels. Man sollte ihn also nicht mit dem norwegischen GOOD BOY oder dem amerikanischen GOOD BOY – TRUST HIS INSTINCTS verwechseln, die beide einen Hunde-Bezug hatten.
Der GOOD BOY über den wir heute sprechen trägt ein WIR WOLLEN NUR DEIN BESTES im Untertitel und ist eine britisch-polnische Produktion.
Die Handlung von GOOD BOY – WIR WOLLEN NUR DEIN BESTES
Der 19jährige Tommy ist ein Arschloch.
Wenn er feiern geht, kennt er keine Grenzen. Er trinkt, wird aggressiv, nimmt Drogen, betrügt seine Freundin und benimmt sich daneben. Gewalttaten und Demütigungen Dritter lädt er auf seinen Social Media Account.
Als er nach einer durchzechten Nacht von seiner Gruppe getrennt und ohnmächtig wird, wacht er angekettet in einem Keller auf.
Dies hätte der Beginn eines Horrorfilms sein können, aber obwohl es ihm so vorkommen mag, wird Tommy nicht gefoltert, sondern befindet sich in der unfreiwilligen Obhut von Chris, der mit seiner zurückhalten Frau Kathryn und dem aufgeweckten Sohn Jonathan in einer abgelegenen Villa lebt.
Die Familie will Tommy nicht gehen lassen, aber ihm auch nichts antun. Sie wollen nur sein Bestes, auch wenn ihm das nicht gefällt.
Dazu wird Tommy in seinem Verlies mit den selbst von ihm erstellen Gewaltvideos konfrontiert, aber auch mit belehrenden Videos, Literatur und Moral.
Dabei drängen sich Begriffe auf, die von Erziehung, über Umerziehung bis zu Hirnwäsche reichen und in gewisser Weise stimmt alles davon.
Erzwungene Erziehung im Keller: Was den Film von klassischen Entführungs-Thrillern unterscheidet
Tommy ist der Widerwille gegen diese Maßnahmen (verständlicherweise) anzumerken und gleichzeitig ist zu spüren, dass Ruhe, klare Regeln, Konsequenzen, aber auch kleine Zugeständnisse der Familie, die wiederum an das Einhalten der Regeln geknüpft sind, etwas bewirken.
Jugendkriminalität ist in britischen Filmen schon seit Langem ein Thema und wurde auf die ein oder andere Weise in Werken wie HEARTLESS, F-LONDON HIGHSCHOOL MASSAKER, CITADEL oder natürlich EDEN LAKE und CLOCKWORK ORANGE aufgebracht.
Anders als CLOCKWORK ORANGE ist GOOD BOY aber nahbarer, intimer und zweifelsohne zeitgemäßer.
Das heißt aber nicht, dass das hier aufgemachte Szenario besonders wahrscheinlich ist und die Motivation der Familie ist weniger eindeutig als beispielsweise einer Anne Wilkes in MISERY.
Vater Chris scheint der Motor der ungewöhnlichen Maßnahme, während Kathryn sich permanent unwohl zu fühlen scheint und sich der Sohn schlicht über etwas Abwechslung freut.
Stephen Graham und Andrea Riseborough als Alptraum-Familie
Aber gerade Chris ist als moralische Instanz fragwürdig, denn er gibt den stets freundlichen englischen Gentleman, züchtigt Tommy aber mit Gewalt und Hausmädchen Rina muss er erpressen, damit sie das Geheimnis für sich bewahrt.
Anders als im schon angesprochenen MISERY entsteht dadurch für den Zuschauer das Dilemma, dass man zwar beide Seiten verstehen kann, aber keine sonderlich sympathisch findet.
In MISERY sahen wir, wie der gefangene Autor seine Fluchtversuche plant und fieberten mit ihm, da aber GOOD BOY keine klare Partei ergreift und uns weniger an Gedankengängen der Figuren teilhaben lässt, ist es schwer zu beurteilen, ob Tommy denn nun geläutert ist oder in der nächsten Minute versucht zu entkommen.
Diese Ungewissheit mag man kritisieren, aber auch gut finden.
Recht unstrittig sollte hingegen die schauspielerische Leistung sein, die Anson Boon (1917, CRAWL) als Tommy, Stephen Graham (BOARDWALK EMPIRE, ADOLESCENCE) oder Andrea Riseborough (MANDY, POSSESSOR) abliefern.
Regisseur Jan Komasa ist derweil jemand, der sich mit seinen früheren Filmen THE HATER und SUICIDE ROOM bereits mit unbequemen Coming-of-Age-Fragen in modernen Zeiten beschäftigt hat.
GOOD BOY feierte sein Deutschlanddebüt bei den Fantasy Filmfest Nights und er fühlt sich auch wie ein Festivalfilm an. Einerseits durch einen echt wirkenden Tommy in der Realität verwurzelt, nimmt er uns mit in eine höchst fiktive familiäre Besserungsanstalt, die kein Erfolgsversprechen gibt und gleichermaßen dysfunktional wirkt. Dabei weigert sich die Geschichte beharrlich, sich auf ein Genre festzulegen, während auch manche charakterliche und inhaltliche Frage unbeantwortet bleibt.
Fazit zu GOOD BOY
Jam Komasas Film ist psychologischer Thriller, er ist Drama, er enthält aber auch humorvolle Anteile, und ein paar Horrorelemente. Man könnte behaupten, dass er nichts so richtig ist, was er auch durch einige offene Story-Verästelungen unterstreicht.
Gleichzeitig ist die schräge Konstellation aber nie langweilig, klasse gespielt und liefert doch genügend Anhaltspunkte, um die Fantasie des Zuschauers zu stimulieren.
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FAQ
Wie brutal ist GOOD BOY – WIR WOLLEN NUR DEIN BESTES?
Der Film hat FSK 16 und setzt auf psychologische Gewalt statt explizite Splatter-Szenen. Verstörend, aber subtil – die Spannung entsteht durch die bedrohliche Atmosphäre und Machtdynamik, nicht durch sichtbare Brutalität.
Für wen ist GOOD BOY geeignet?
Für Fans von Psycho-Thrillern wie A CLOCKWORK ORANGE oder FUNNY GAMES. Wer harte Action oder klassischen Horror erwartet, ist falsch. Der Film verlangt Geduld und Empathie für unsympathische Figuren.
Wer ist Regisseur Jan Komasa?
Jan Komasa ist ein polnischer Regisseur, der mit CORPUS CHRISTI für einen Oscar nominiert war. GOOD BOY ist sein erster englischsprachiger Film – eine polnisch-britische Koproduktion mit internationalem Cast.










